"Para, Sozial" | Folge 3/4: Ein Herz für Defluencer

Shownotes

Welcome back! Nach so viel Grusel und Schatten wird es Zeit für Licht und gute Timelines.

In der dritten Folge dieser Staffel sprechen wir nicht mehr nur über Influencer, sondern endlich mit einem! Einem Goodfluencer (so nennt Yasmin ihn): Leo vom Account @Rundumhaut.

Leo nimmt Yasmin backstage in eine Branche, auf der sonst ein fest verschraubter Glasdeckel sitzt; und wir werfen mit ihm einen Blick auf die Inhaltsstoffe: Wie ist es, als Hautpflege-Content-Creator im Jahr 2026, warum lehnt er klassische Kooperationen ab, wie geht er mit parasozialen Beziehungen seiner Zuschauer um, und weshalb würde er nie 50 Euro oder mehr für eine Creme ausgeben?

Außerdem: Wo werden selbst Influencer gescamt und kann die parasoziale Beziehung produktiv oder sogar gesund sein, Prof. Dr. Astrid Müller? All das und mehr in dieser Folge von “Para, Sozial”: Ein Herz für Defluencer. <3

Hier sind Leos Account auf TikTok und YouTube

Hier ist der Post von Daria @likeadashi

Hier der Insta-Account von xskincare.

Skript, Moderation, Produktion: Yasmin Polat

Musik, Soundeffekte: Descript

dürfen die das? ist ein Podcast der Verbraucherzentrale Berlin, gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Transkript anzeigen

00:00:00: Cold Open Yasmin: Ach, wo bin ich denn hier gelandet? Oh, was ist das schön hier im Feed. Hier ist ja alles so transparent. Guck mal, alle Posts sind durchsichtig. Überall ist es grün. Schneeballsysteme schmelzen direkt zu Wasserpfützen. Lamborghinis gibt's hier nur als Spielzeugautos. Schau mal da drüben, da ist 'n süßes Katzenbild. Oh, aha, eine Empfehlung für 'n Gesichtspuder. Ja, das hab ich überall schon gesehen. Alle kaufen das grad. Ah, da oben steht's. Anzeige. Ganz fett und rot. Ach, ist das schön hier im Feed, wirklich. Also hier bin ich Mensch, hier darf ich parasozial sein. Hallo, liebe Unterhaltungs-YouTuber. Lange ist es her, ne? Mhm.

Ah, da hinten ist 'ne Freundschaftsanfrage auf StudiVZ. Auf StudiVZ? Warte, welche Timeline ist 'n das hier? Welches: Jahr haben wir denn? Oh nein. Ich bin beim Scrollen eingeschlafen. Wie spät ist 'n es? Ah, okay. Zeit für 'ne neue Folge

00:01:17: Yasmin Mod Folge 3: mein Name ist Yasmin Polat. Ich bin Podcasterin und Autorin und für die Verbraucherzentrale Berlin mache ich mich auf die Suche durch einen Ort, der mir wirklich vertraut ist, obwohl er voller Fremder ist eigentlich: Social Media. Nachdem wir die letzten beiden Folgen vor allem über Influencer gesprochen haben, reden wir heute mal mit einem. Außerdem erfahren wir, wo selbst die guten Influencer auch mal in Schwierigkeiten geraten und ob die parasoziale Beziehung gesund sein kann. Herzlich willkommen bei Parasozial Folge drei: Ein Herz für Defluencer

Ach ja, das kann ja mal passieren, ne? Also nach der letzten: Folge wird so 'n bisschen Träumen wohl erlaubt sein, glaube ich. Ich muss sagen, bei so viel Unfug und Scammerei auf Social Media überkommt mich ab und an so 'ne gewisse Müdigkeit. Generell diese Entwicklung, ja, dass alles so berechnend geworden ist. Gefühlt jeder zweite Post folgt einer Diskurslogik oder einem Sponsoring, ja. Das ist irgendwie nicht meins. Ich bin wirklich eher die Fraktion intuitiv posten. Das kommt mir auch nicht immer zugute. Erst neulich hatte mir jemand gesagt, dass sie gerne so wäre wie ich, dass sie auch gern ohne sich groß Gedanken zu machen, posten würde. Aber die Wahrheit ist: Eigentlich poste ich gar nicht mehr so oft wie früher, denn durch diese konsequente Professionalisierung von Social Media bin ich schon etwas postmüde geworden. Eigentlich hab ich schon länger Insta Fatigue

aber trotzdem häng ich natürlich ständig am Handy. und das hat einen Grund. Es gibt nämlich inzwischen viele gute Menschen auch mit vielen guten Inhalten da draußen. Beim Schreiben dieser Folge ist mir aufgefallen, dass ich einen Beitrag gut finde, wenn er mir: zwei Dinge gibt: Vibes oder Infos. Was die Vibes angeht, also die Atmosphäre, die Ästhetik und so weiter, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, worauf er steht. Also bei mir sind das zum Beispiel Accounts zu Archäologie, Literatur, Filmen, Kunst, Comedy, Memes, Hier und da 'n bisschen Mode, wobei ich da echt schaue, dass ich nicht zu sehr zum Kaufen verleitet werde. Denn als Professor Dr. Müller in der letzten Folge gesagt hat, dass auch schon das Browsen bei einer möglichen Kaufsucht mit reingezählt wird, da wurde mir ganz anders. Also das hat mich schon echt zum Nachdenken gebracht. Das andere Kriterium, Infos, ist dagegen nicht so geschmacksabhängig. Da geht es ja vor allem um Aufklärung. damit sind einige Influencer beziehungsweise Content Creator mittlerweile echt großzügig. Viele machen Aufklärung von Anfang an zu ihrem Kanalinhalt, zu ihrer Marke und werden dafür belohnt.

Mit Followern, transparenten Werbepartnern, mit Vertrauen und auch mit Dank, zum Beispiel von mir. Deswegen nenne ich sie im Kopf Goodfluencer. Die meisten Goodfluencer haben eine Sache gemeinsam, nämlich dass sie in gewissem Maße: defluencen, also uns abbringen von ungerechtfertigten Hypes oder viralen Produkten, die vielleicht wirkungslos sind, die uns darauf hinweisen, welche Großkonzerne mit minimalem Aufwand maximalen Profit erzeugen wollen. Die Arbeit als Goodfluencer ist also irgendwie auch eng damit verzahnt, sich potenziell Feinde zu machen, indem man sich eben gegen falsche Marketingversprechen stellt oder uralte Mythen aufklärt. Da braucht es Durchsetzungsvermögen und natürlich Expertise. Und das ist das, was Herr Professor Dr. Hamm in der ersten Folge unserer Staffel angesprochen hatte, ne? Also dass man Menschen für ihre Expertise folgt. Davon hab ich auch 'n paar in meinem Feed und auch deswegen ist das Handy doch noch so oft in der Hand, weil da gibt es regelmäßig Herzen von mir. Ich hab ein Herz für Defluencer.

das ist jetzt, aber dafür wurde davor auch einiges getan, muss man sagen. In der Öffentlichkeit stehen beziehungsweise als Person des öffentlichen Lebens authentisch und transparent zu sein, ist in meiner Wahrnehmung als Wert über die letzten Jahre erst so gewachsen. oder kann sich jemand dran erinnern, wie: relatable und authentisch zum Beispiel Hollywood-Stars in den 2000ern mal waren? Oder hier die ersten YouTube-Influencer, ne, mit den Millionen Abonnenten, die dann auch ihre eigenen Duschgele in die Regale gebracht haben. Über allem lag irgendwie so ein Film, eine dicke Patina aus Unfehlbarkeit und Unerreichbarkeit, fand ich. Aber es gab eben welche, die sich gedacht haben: „Nee, das reicht." Und mittlerweile gibt es eben sehr viele sehr gute Accounts, die Aufklärung zu verschiedensten Bereichen betreiben. Hautpflege, Haarpflege, Ernährung, Finanzen natürlich und so weiter und so fort. trotzdem eine Online-Parallelwelt wie in meinen Träumen ist es nicht, auch nich für die Goodfluencer. Das geht los beim eigentlichen Geldverdienen, ja. Darüber wird mein heutiger Gast auch noch sprechen. Denn wenn man gewisse moralische Standards einhalten will, grenzt das die Angebote vielleicht auch ein. Aber auch abseits davon gibt es Risiken. Das sind dann vermeintliche Kleinigkeiten, ja, zum Beispiel das Risiko, kopiert zu werden, Das betrifft meistens eher so kleine Accounts und Influencer, die vielleicht grade anfangen, ja.

Die machen dann ein Video und das wird dann zum Beispiel von großen: Influencern oder sogar Marken eins zu eins kopiert, sogar im Wortlaut, natürlich ohne Kennzeichnung. Also ja, es ist vielleicht 'n Stück weit Berufsrisiko, aber trotzdem extrem nervig und eben kein luftleerer Raum, in dem man versucht, guten Content zu machen. Das sind jetzt so Kleinigkeiten vor der Kamera. Im Backoffice passieren aber teilweise echte Scams. Da werden die Influencer selbst mit Fake-Kooperationen gelockt Ja, ich bin nämlich auf einen Post gestoßen von der Creatorin Daria Burs, @laikedashi. Die hat Folgendes berichtet: Eine Firma hat sie beziehungsweise ihren Account für 'ne Kooperation anfragen wollen, für eine UGC-Kooperation, um genau zu sein. UGC musst ich selbst erst mal googeln. Das steht für User Generated Content.

Das sind also Inhalte, die von normalen Nutzern erstellt werden, also kein Unternehmen. So, und diese Anfrage kam von einer Firmenmailadresse. Die Daria hat dann geantwortet, was sie sich so vorstellen et cetera und dann wurde es komisch. Bei der Coop, so sagen das übrigens die Profis, ne, das ist die: Abkürzung für Kooperation. Also bei der Coop ging es um eine Zahnbürste, die 89,99 Euro kostet. Für ein Video bot die Firma 650 Euro, was offenbar an sich erst mal im Rahmen wirkte laut Daria. Nur sollte sie 50 % des Zahnbürstenpreises selbst bezahlen, also knapp 45 Euro. Das hat sie dann stutzig gemacht. Auf Insta hat sie die Firma dann auch nicht gefunden, also hat sie wie jeder andere Mensch gegoogelt und ist dort auf mehrere Berichte gestoßen, in denen Creator sagen, sie haben das gewünschte Video gemacht, die 45 Euro und sogar den Versand bezahlt und die Bezahlung von 650 Euro natürlich nie gesehen. Ich verlinke euch Darias Post in den Show Notes, dann könnt ihr euch da mal durchklicken. Sie listet nämlich auch noch so 'n paar Red Flags auf, die man als Content Creator bei Anfragen beachten sollte. Aber ihr seht, selbst die Guten müssen aufpassen, keine schlechten Erfahrungen zu machen

Manchmal wird aber aus den schlechten Erfahrungen dann doch noch was: Gutes, wie zum Beispiel bei meinem heutigen Gast Leo vom Kanal rundumhaut. Hinter seinem Account steckt eigentlich so 'ne klassische Heldengeschichte, würd ich fast sagen. Also Leo hat lange mit Akne gekämpft. Er war genervt davon, wie zig Influencer ihm Tag für Tag irgendwas Neues andrehen wollten. Er hatte die Schnauze voll und hat angefangen, sich mit dem Thema Hautpflege mal tiefer auseinanderzusetzen. Jetzt teilt er sein Wissen mit seinen Followern auf Instagram, TikTok und YouTube und neben allen Hautpflegetipps und wirklich auch begeisterten Produktempfehlungen muss er zu Aufklärungszwecken eben manchmal auch ordentlich defluencen und das klingt dann unter anderem auch mal so:

00:08:33: O-Ton-Clips Leo: Vierzig Euro für ein Drogerieserum ist echt heftig. Da müssen ja wirklich unglaublich teure, besondere Inhaltsstoffe und extrem viel Innovation und Forschung drinstecken, oder? Na ja, oder man verkauft halt einfach die Kombi aus Hyaluronsäure und Koffein als was wahnsinnig Besonderes und packt zusätzlich noch allergene Duftstoffe mit rein.

Dafür so einen Riesen-Influencer-Hype aufzubauen, find ich ehrlich gesagt bisschen peinlich. Und Balea, was genau ist denn jetzt eigentlich hier inspired by Korean Skincare? Der Reisextrakt? Dieses ganze Marketing mit Korean: Skincare oder Korean inspired mit den immer gleichen Klischees ist einfach ermüdend. Diese Romantisierung und dieser blinde Hype bringt niemandem was außer den Firmen.

00:09:09: Yasmin Mod Folge 3: Ja, einer muss es ja sagen und viele hören zu. Sein Account hat zum Zeitpunkt dieser Aufnahme 170.000 Follower auf Instagram. Er beschäftigt sich dort und auf YouTube und TikTok vor allem mit Produkten aus der Drogerie. Warum, verrät er gleich. Und übrigens, wenn wir im Interview von App sprechen, ist damit Leos Hautpflege-App gemeint. AnySkin heißt die. Die ist schon länger in der Mache. Für Leos Geschmack 'n bisschen zu lang. Warum, wieso, weshalb erzählt er auch gleich selbst. Außerdem, wieso er nach Win-win-win-Situationen sucht, welche Kooperationen er meidet und warum Drogerie in Deutschland einfach zieht. Gehen wir mal rein.

00:09:43: Yasmin Interview: Hallo und herzlich willkommen, Leo. Bei dieser Staffel „Dürfen die das? Parasozial". Ich freu mich, dass du dabei bist.

00:09:49: Leo Interview: Hallo, ich freu mich auch.

00:09:50: Yasmin Interview: Du, sag mal, ich muss dich direkt mal am Anfang fragen: Also dein Account heißt „Rundumhaut", aber wie alt bist du denn?

Wie heißt du? Du musst ja nicht den Nachnamen sagen. Und seit wann bist du mit: dem Account aktiv?

00:10:01: Leo Interview: Jetzt muss ich selber kurz überlegen. Ich bin 27 und ich heiße mit vollem Namen Leonhard, ich glaub, der einzige Mensch in meinem Leben, der mich jemals so genannt hat, war mein Opa. Ich kenn mich selber nur noch unter Leo. Und seit wann denn hab ich den Account? Den hab ich seit, ich denk mal, ziemlich genau vier Jahren. Ich glaub, da hab ich's, hab ich angefangen, zuerst auf TikTok. Ich bin recht spät auf die, äh, eigentlich ziemlich offensichtliche Idee gekommen, meine Videos sowohl auf TikTok als auch auf Instagram zu posten. Deswegen hab ich, glaub ich, fast zweieinhalb Jahre lang oder zwei Jahre lang, äh, nur auf TikTok gepostet und dann irgendwann quasi hab ich angefangen, auch auf, auch auf Instagram zu posten und das lief dann auf Instagram auch erstaunlich gut. Deswegen sind beide Accounts jetzt eigentlich mittlerweile fast gleich groß.

00:10:41: Yasmin Interview: Weißt du noch oder kannst du dich erinnern, wo du für dich entschieden hast: „Okay, ich möcht jetzt auch Content dazu machen"?

00:10:47: wurde. Und dann war irgendwann klar: Ja, okay, äh, wir werden jetzt bald 'n Produkt haben, was wir sozusagen, ähm, auf den Markt bringen wollen, also ein digitales Produkt. Irgendwie müssen ja die Leute davon erfahren, dass wir jetzt hier 'ne coole App gemacht haben, die dir deine Akne in den Griff zu bekommen und irgendwie deinen Fortschritt zu tracken und bla bla bla. Da ich aber zu dem Zeitpunkt, wo wir wussten, wir haben bald eine App, eben noch keine App hatte, dachte ich mir: „Okay, ich fang einfach allgemein an, das ganze Wissen, was ich mir jetzt durch die Entwicklung der App sozusagen angehäuft habe, auf Social Media zu teilen und guck mal, ob das Anklang findet." Und es ist ganz gut angelaufen, sag ich mal. Also ich glaub, bis zu dem damaligen Beta Release der App hatten wir dann so fünftausend, hatt ich dann so fünftausend Follower auf TikTok. ich hab dann gemerkt, dass mich das Thema Hautpflege eigentlich viel breiter interessiert als nur im Rahmen von diesem ganzen App-Ding und dementsprechend hab ich dann im Grunde meine Accounts einfach relativ unabhängig von dieser App, weiter betrieben beziehungsweise einfach weiter bespielt.

Und das war im Nachhinein auch 'ne sehr gute Entscheidung, weil, äh, die App ist, ich sag mal, die Geisel meiner Existenz. und, ich bin sehr froh,: dass ich sozusagen, das Thema Hautpflege unabhängig davon auch einfach weiterverfolgt habe. Ich hoffe, die App wird jetzt irgendwann, trotzdem noch zu einem Happy End kommen. Es sieht aktuell sehr gut aus, aber trotzdem ist Hautpflege etwas, was mich irgendwie viel breiter als das interessiert und dementsprechend sind auch meine Accounts quasi unabhängig von dem ganzen Thema gewachsen. Es macht auch eigentlich null Sinn, dass diese App immer noch nicht auf dem Markt ist, aber, mh, ich sag mal so: Ich nehm das mittlerweile mit Humor, weil, immer wenn ich denke: „Ah ja, jetzt sind wir kurz davor", dann kommt irgendetwas in die Quere und, dann dauert's doch noch mal wieder länger. Aber ja, ich sag mal so: Ich bin mittlerweile ganz, ganz entspannt, was das Thema angeht und trotzdem auch ganz guter Dinge.

00:12:37: Yasmin Einschub: Leo sagt, es sind verschiedene Dinge, die sich da als Blockaden aufstellen. Zum einen Personelles, ja, also sein Co-Founder musste spontan aussteigen, aber auch regulatorische Sachen und seine eigenen Ansprüche

00:12:50: Bottleneck gewesen. Gleichzeitig steigen aber natürlich auch die Erwartungen, je größer so ein Account wird, ne. Also ich bin jetzt mittlerweile schon in der deutschen Hautpflege-Community so eine Stimme, die man einfach kennt. Ich kann da jetzt irgendwie nicht mit demselben Hauruck-Mindset rangehen und sage: Ja, ich release jetzt einfach mal hier 'ne App und dann schauen wir mal, so was passiert. Sondern da sind natürlich irgendwie sehr viele Augen drauf und das Risiko steigt, aber meine Ressourcen sind nicht gestiegen. Und das ist so'n bisschen so'n Missverhältnis, was quasi über die Jahre auch immer schlimmer geworden ist anstatt besser, ne. Weil wenn nicht sozusagen mehr Geld reinkommt, aber die Ansprüche steigen und die Erwartungen steigen, dann ist es natürlich irgendwo so'n Problem. Und da bin ich aber auch ehrlich gesagt auch natürlich sehr viel in meinem Kopf, wo sich dann irgendwelche Horrorszenarien abspielen, aber es ist trotzdem auch realistisch betrachtet auch einfach 'n Ding. Also dieses Missverhältnis ist da und wird immer irgendwie immer größer.

00:13:51: eigentlich bezeichnen würde. Also als Influencer, als Creator. Wie ist er da unterwegs auf Social Media?

00:14:06: Leo Interview: Okay, also zur ersten Frage: Die Entscheidung kam eigentlich so'n bisschen aus persönlicher Erfahrung. Ich hab sehr lange sehr schlimm mit Akne gekämpft. Das sieht man heute zum Glück meistens nicht mehr, wobei ich immer noch paar Breakouts habe hier und da. Und damals war's halt so, dass, ich will jetzt keine Namen nennen, aber damals waren Influencer-Firmen auch schon 'n Riesending und, äh, jeder Influencer und jede Influencerin wollte dir irgendwie jeden Tag gefühlt was Neues andrehen. Und, gab dann damals schon so 'n paar authentische Stimmen, die mir dann auch wirklich geholfen haben. dementsprechend hab ich, im Grunde von Anfang an gewusst, welche Art von Influencer oder ich sag mal Stimme ich sein möchte. Und das hat dann einfach nicht zusammengepasst mit irgendwie hier 'ne Coop, da 'ne Coop und so weiter.

Und ich hab auch einfach die Erfahrung gemacht, auch aus Influencern, die ich selber halt so mitverfolge, wenn man halt einmal anfängt mit so wirklich klassischer Werbung. Also ich red hier nicht über, es gibt ja diverseste Kooperationen,: so. aber ich red wirklich darüber, 'ne Firma tritt an dich ran, schickt dir 'n Briefing, sagt: „Hey, das ist das Produkt, was wir verkaufen wollen. Hier ist Geld. Jetzt sag mal bitte ungefähr das, was wir hören wollen", so nach dem Motto. Das ist die Art von Kooperationen, die ich halt, wie gesagt, von Anfang an eben nicht cool finde. da hab ich die Erfahrung gemacht, dass man da auch schnell in so 'nen Teufelskreis reinkommt als Influencer, wo man sagt: Okay, am Anfang nimmt man solche Werbekooperationen nur an für Produkte, die man wirklich feiert. dann kommt da gutes Geld rein, dann kündigt man vielleicht irgendwie seinen Job und, macht sich so 'n bisschen auch davon abhängig. irgendwann reicht dann aber vielleicht das Geld, was reinkommt durch Produkte, die man wirklich feiert, nicht mehr aus. Und dann sagt man halt: „Ja, okay, also das ist jetzt nicht so das krasseste Produkt, was ich jemals gesehen hab, aber irgendwie kann ich das noch vertreten." Und also die Hemmschwelle wird halt immer geringer. In diese Abhängigkeit wollte ich mich von Anfang an nicht begeben. Also ich lehne es nicht grundsätzlich ab, Kooperationen zu machen. Ich lehne auch grundsätzlich nicht ab, Geld mit meiner Reichweite oder mit, mit der Reichweite, die Influencer haben, generell zu verdienen.

Ich glaube aber, man muss halt aufpassen, dass man eben nicht in so 'nen Teufelskreis reinkommt, wo man dann am Ende da: endet, wo man irgendwie jeden zweiten Tag 'ne andere Marke und 'n anderes Produkt bewirbt und das irgendwie einfach nicht mehr authentisch wirkt, sagen wir mal so.

00:16:07: Yasmin Interview: Ja, jetzt hast du's ja auch selber angesprochen, ne, dass du eben auch an diesem Punkt bist, dass die Kosten quasi steigen und steigen und steigen und eben durch diese Entscheidung natürlich das Geld nicht so reinkommt, wie es jetzt grade reinkommen müsste. Ich frag mich so 'n bisschen: Was sind denn das dann ansonsten noch für Fliehkräfte, die dann auf Content Creator oder Influencer einwirken? wann gerät man auch als guter Influencer, als moralischer Content Creator, der aufklären will und so weiter, in Interessenskonflikte?

00:16:31: Leo Interview: Mhm. Na ja, also A durch die eigene Reichweite bekommt man natürlich immer mehr so 'n Insider-Status, wo dir auch Firmen im Grunde freiwillig Informationen geben oder du sie zumindest mal erfragen kannst.

Das heißt, man, man kriegt immer mehr Blicke hinter die Kulissen, wo man dann irgendwie automatisch auch filtern muss Okay, was Was gebe ich denn jetzt meiner Community preis und was nicht? Was darf ich auch preisgeben und was nicht? Dann Fliehkräfte sind auf jeden Fall auch Angebote. Also je größer die Reichweite wird,: desto größer werden auch sozusagen die potenziellen Zahlen, die man damit verdienen kann. Also da muss man schon zum einen die, die Möglichkeit und das Privileg haben, überhaupt Nein sagen zu können zu solchen Zahlen. Und, zum anderen muss man natürlich auch einfach sehr, ich sag mal, also man, man darf Geld auf jeden Fall zumindest am Anfang jetzt nicht so krass wertschätzen, weil dann wird man bei solchen Zahlen, glaube ich, ziemlich schnell schwach. Ansonsten, was, was wirken für Fliehkräfte? Ich meine, also die Fallhöhe, die man zumindest selbst wahrnimmt, ob sie jetzt wirklich da ist oder nicht, ist, ist eine andere Sache. Aber die Fallhöhe, die man selbst wahrnimmt, wird natürlich immer größer, ne. Man steht irgendwie in der Öffentlichkeit, man weiß, Leute hören einem zu, man weiß, Leute geben auch irgendwie was auf das, was man sagt. Auch rechtliche Fallhöhen werden immer höher, ne. Also irgendwann wird halt das, was du sagst, auch einfach wettbewerbsrechtlich relevant und so weiter und so fort. Also gibt auf jeden Fall viele Sachen, über die man sich da quasi Gedanken machen kann. die Frage ist, ob man sich Gedanken machen muss.

Es gibt jetzt zumindest habe ich jetzt von relativ wenigen Präzedenzfällen gehört, wo: so ein Influencer gerade zum Beispiel aufgrund von rechtlichen Sachen jetzt wirklich so richtig hart auf die Schnauze geflogen ist, aber tut schon weh. Also kann schon wehtun, sage ich mal. Toi, toi, toi.

00:18:10: Yasmin Interview: Äh, tatsächlich gibt es das immer wieder, auch durch die Landesmedienanstalten, aber auch Verbraucherzentrale und so weiter. Das ist aber ja in deinem Fall dann eben gar nicht relevant, weil du natürlich schaust, dass das möglichst transparent auch immer gekennzeichnet ist und vielleicht nicht in 'ner durchsichtigen Farbe oder Schriftgröße und so weiter. Also das betrifft dich in dem Sinne nicht, aber ich finde es schon spannend, was du erzählst, weil ich stelle mir das schwierig vor, da wirklich auch standhaft zu bleiben. Auch ich, also die jetzt dann quasi keinen Account hat oder so oder Influencer oder Content Creatorin ist. Natürlich, irgendwann muss man schauen, wie bleibt es wirtschaftlich in dem Sinne. Da wäre es in deinem Fall wahrscheinlich die App tatsächlich dann auch.

00:18:45: Leo Interview: Also ich sage mal so, ich, wie, ich habe ja gerade schon erklärt, welche Kooperationen ich, ähm, ich problematisch finde oder wo ich mich selber nicht reinbegeben möchte, sage ich mal so.

Problematisch ist immer ein sehr starkes Wort und es nervt mich auch mittlerweile, wie inflationär es verwendet wird. Deswegen wir vergessen, dass ich das gesagt: habe. Ich suche immer nach Win-win-win-Situationen, also Situationen oder Kooperationen oder Zusammenarbeiten, wo ich was gewinne, wo die Firma, mit der ich zusammenarbeite, was gewinne, aber wo vor allem auch meine Community was gewinnt und der Markt als Ganzes etwas gewinnt. Also wo nicht nur sozusagen in meiner kleinen Bubble eine Werbung geschaltet wird und dann kaufen die Leute das, weil ich sage, dass es gut ist so, sondern wo irgendwie ein bisschen mehr passiert, wo meine Community wirklich was davon hat oder wie gesagt, wo man auch eben einfach einen positiven direkten Einfluss auf den Markt nehmen kann. Wie genau das jetzt aussehen kann, da will ich jetzt aktuell nicht so viel dazu sagen. Ich kann aber sagen, in knapp zwei Wochen wird man da wahrscheinlich mehr erfahren. Also

00:19:42: Yasmin Interview: wenn diese Folge rauskommt, dann wissen wir es schon.

00:19:44: DM und Rossmann gesehen. Also Stand jetzt scheint es sehr gut angekommen zu sein.

00:20:03: Yasmin: wichtig zu sagen wäre mir jetzt noch, dass wir mit Leo hier natürlich nicht darüber reden, dass er seinen Job ehrenamtlich macht oder bei ihm keine Wirtschaftsinteressen dahinterstehen. Das tun sie völlig klar. Die Frage ist eben nur: Wie geht man das an? Wie transparent kommuniziert man das? Will heißen: Auch da gilt für uns Follower jetzt nicht sofort alles blind kaufen. Natürlich immer vorher schauen: Kann ich das Produkt verwenden? Benötige ich das? Kann ich's mir grad leisten? Ich glaub, das ist auch in Leos Interesse.

00:20:29: EINSCHUB ZUKUNFT: Okay, zurück ins Interview.

00:20:31: Yasmin Interview: Du hast ja gesagt, du hast angefangen, weil du selber eben mit Akne zu kämpfen hattest. Es hat dich genervt, dass Influencer immer wieder ein neues Wunderprodukt quasi beworben haben. Würdest du sagen, dass sich diese Influencer-Landschaft dahingehend schon geändert hat? Und wie reagieren denn Marken auf dich? Weil ich weiß noch, also damals waren die Marken natürlich nicht sonderlich amused, wenn jemand mal richtig aufgeklärt hat, was da eigentlich drinne ist in diesen ganzen Produkten.

Und für mich war das auch damals 'n großer Schock, muss ich sagen. Also teilweise Sachen, wo man: dachte: „Oh, das ist so teuer, das muss gut sein", was dann einfach absoluter Bullshit war, um's mal so zu sagen. Würdest du sagen, die Influencer-Landschaft hat sich geändert und wie reagieren Marken auf dich? Wie nimmst du das wahr?

00:21:11: Leo Interview: Also die Influencer-Landschaft hat sich insofern schon verändert, dass, so dieses wirklich krasse, du verkaufst so komplett überbepreiste Produkte und steckst quasi irgendwie 90 % deiner Marge in Influencer-Marketing sozusagen. das i-i-ist zumindest in meiner Wahrnehmung 'n bisschen zurückgegangen, weil die, die Firmen einfach 'n bisschen gemerkt haben, okay, damit kommt man nicht mehr ganz so easy durch, wie das vielleicht noch so 2018, '19, '20 war. gibt da auch, jetzt jüngst ein Beispiel von einer Influencer-Marke, die irgendwie, ich glaub', vor paar Jahren noch 300 Millionen Euro wert war und jetzt, in die Insolvenz gegangen ist, so. Klassisches Influencer-Marketing hat sich trotzdem, find ich, noch nicht so stark verändert, wie ich das eigentlich erwartet hätte.

Also es gibt immer noch genug Influencer, die halt wirklich einfach irgendwie alle zwei Tage ihre, ihre Werbung posten, wo man auch merkt, das ist jetzt wirklich nicht wirklich authentisch oder so.: Aber es gibt natürlich immer mehr auch authentische Stimmen, weil man da auch einfach gesehen hat in den letzten Jahren, dass da 'n Potenzial drin liegt, wenn man quasi einfach 'nen anderen Weg ein bisschen einschlägt. Und grade im Hautpflegemarkt ist da natürlich, äh, Leon irgendwie auch 'n gutes Beispiel, was viele Leute, glaub ich, schon seit Jahren irgendwie verfolgen

00:22:18: JINGLE TAB: Neuer Tab öffnen. Ja, ganz genau, einer davon bin ich. Nein, Leo spricht hier nicht in dritter Person von sich selbst. Er meint Leon vom Account xskincare. Ihm folgen mittlerweile eins Komma fünf Millionen Menschen auf Instagram. Ich hab ihn das erste Mal bei der YouTuberin Hatice Schmidt gesehen. Das ist schon echt 'ne Weile her, aber seitdem war ich hooked, weil er so pointiert mit so 'n paar Spitzen hier und da mich wirklich auch mal von diesem Glauben runtergebracht hat, teuer ist gleich gut.

Leon hat mit seinem Content eigenhändig dafür gesorgt, dass ich mal so 'n paar Cremes im Badezimmer entsorgt habe und nach jahrelangen sehnsüchtigen Blicken ins Regal wollte ich dann plötzlich doch keine teure Creme: mehr. Ich nenn jetzt mal die Marke nicht, aber es war eine Marke, die ja angeblich J.Lo auch benutzt hat. Und er hat geschafft, dass ich mich zumindest oberflächlich mit Inhaltsstoffen beschäftige. Also diese Worte da hinten auf der Packung Aqua Tralala, die wurden zu etwas Greifbarem, zu etwas, das auch ich als Otto Normalverbraucherin einordnen kann. Leon wurde zum Beispiel auch für den diesjährigen Bundespreis der Deutschen Stiftung für Verbraucherschutz nominiert. Tab schließen.

00:23:28: Leo Interview: . im Influencer-Marketing an sich hat sich 'n bisschen weniger getan, als ich mir das erhofft hätte, aber es hat sich trotzdem was getan. Und, was Firmen angeht: Ich glaube schon, dass Firmen 'n bisschen mehr auf Transparenz achten mittlerweile, weil sie einfach wissen, dass es Leute gibt, die es halt outcallen, wenn sie nicht transparent sind.

Also ich nehme es schon so wahr, dass die authentischen Stimmen im Grunde bei der Produktentwicklung so 'n bisschen auch schon vorhergesehen werden. Also was könnte der oder die darüber sagen? Und da zumindest so 'n bisschen auch: drauf eingegangen wird in der Entwicklung von neuen Produkten. Also es kommen, ich sag mal, die, die Rate an Produkten, die jetzt mittlerweile auf den Markt kommen, wo ich sagen würde, ah, die find ich cool, ist definitiv höher geworden als vor drei, vier Jahren. Und ob das jetzt den, irgendwie authentischen Stimmen auf dem Markt zuzurechnen ist oder ob das einfach 'ne allgemeine Entwicklung auch in den Konsumenten- und Konsumentinnen-Erwartungen ist, das kann ich natürlich nicht sagen, aber dahingehend nehm ich auf jeden Fall so 'ne positive Veränderung wahr. Auch bei den Eigenmarken. Ich kritisiere zwar die Eigenmarken der Drogerien sehr gerne und sehr oft, aber, äh, muss da trotzdem sagen, dass sie sich insgesamt in 'ne sehr positive Richtung entwickeln. Ich glaub, da wird auch noch mal viel kommen in den nächsten Jahren und, äh, Hautpflege auch noch mal zugänglicher werden, als sie das jetzt mittlerweile sowieso schon ist.

00:24:46: Yasmin Interview: Du klärst nur zu Drogerieprodukten auf, oder? Also nicht High End. Du fokussierst dich schon eher auf Drogerie, oder?

00:24:52: Und ich bin niemand, der fünfzig Euro oder mehr für 'ne Creme ausgibt. Deswegen ein Kriterium für mich ist immer: Okay, würde das mein Geldbeutel langfristig hergeben? Und das ist halt bei 'ner Creme fünfzig, hundertfünfzig Euro, wie auch immer, äh, ist es einfach nicht drin. Und selbst wenn es mein Geldbeutel hergeben würde, dadurch, dass ich ja auch mittlerweile weiß, wie teuer 'n Produkt auch tatsächlich werden kann, es gibt keine harte Obergrenze, aber ich sag mal so, man wird sich schon schwertun, 'nen gewissen Preisbereich oder 'nen gewissen Kostenbereich, äh, oder Kostenrahmen zu überschreiten, bin ich dann auch einfach nicht bereit, das Geld auszugeben, selbst wenn ich's hätte. Also warum sollte ich?

00:25:35: Yasmin Interview: Genau. Ja, okay, aber Stichwort Drogerie, ne. Da gibt es ja auch ganz oft eben einfach diese Videos. Man kennt's, du kennst das garantiert. „Rennt zu de-de-de-de-de und dann rennt sofort in den Laden, holt euch das, tralala." Was ich mich gefragt habe: Wie entstehen denn eigentlich diese Hypes?

Ist das wirklich organisch, dass da jemand reingeht und sagt „Leute, ich hab das Produkt gefunden bei Drogeriemarkt XYZ?" Oder sind dahinter auch Marken, die dann jeweils so 'n vielleicht: Mikroinfluencer bezahlen? Oder was denkst du, wie entstehen diese Hypes?

00:26:03: Leo Interview: Also ich glaub, man muss hier zwischen dem deutschen Markt und dem internationalen beziehungsweise amerikanischen Markt auch unterscheiden. Also grade auf dem amerikanischen Markt ist es gang und gäbe, dass man Kooperationen nicht ausreichend kennzeichnet und, ähm, man dann schon sehr stark mer-merkt, dass gewisse Marken einfach auch in 'nem gewissen Zeitraum sehr stark gepusht werden und dann vielleicht irgendwo versteckt in der Beschreibung, was weiß ich, Firma XY Partner steht oder so, als Hashtag so, aber das ist halt keine wirklich transparente Kennzeichnung einer Werbung. Deswegen, ich glaub, auf dem amerikanischen Markt und auch auf dem internationalen Markt, gibt es schon sehr, sehr, sehr viele Hypes, die nicht organisch entstehen, sondern wo einfach extrem viel Geld reingepumpt wird und dadurch quasi dann ein Hype künstlich hochgezogen wird. Diese Hypes schwappen dann auch automatisch so 'n bisschen auf den deutschen Markt oft über, einfach weil Leute im deutschen Markt natürlich sehen: Ah, okay, krass, international sind da gerade sehr viele Augen drauf.

Das heißt, wenn ich jetzt: darüber rede und das sozusagen so 'n bisschen in den deutschen Markt reinbringe, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich auch irgendwie Aufmerksamkeit bekomme, was ja auch eine Währung sozusagen ist. Ich glaub, bezahlte Hypes sind in Deutschland zumindest tatsächlich 'n bisschen schwieriger, weil ich mein, man kann sich natürlich über Werbekennzeichnungspflichten irgendwie so 'n bisschen trotzdem hinwegsetzen, aber man kann damit halt auch sehr stark auf die Schnauze fliegen, so. Deswegen glaub ich, dass, dass so dieser, dieses bezahlte Hype-Thema eher was ist, was dann international sozusagen rüberschwappt. Und, es ist auch tatsächlich einfach so, selbst wenn es jetzt keinen internationalen Hype gibt, das wissen eigentlich so ziemlich alle Creator: Drogerie zieht in Deutschland einfach.

Und was besonders zieht, ist, wenn du über 'n gutes Drogerieprodukt redest. Also wenn du überschwänglich positiv über irgendein Prod-Drogerieprodukt, äh, berichtest, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass du viel Aufmerksamkeit bekommst. Das merk ich auch immer wieder. Wenn's 'n Drogerieprodukt gibt, was ich wirklich mag und ich mach 'n Video dazu, wo ich wirklich sage Ey, keine Ahnung, Isana, Balea,: No Cosmetics, Geek & Gorgeous, wie sie alle heißen, sie haben irgendwie, n neues Produkt auf den gebracht und ich find das richtig gut. Diese Videos bekommen immer am meisten Aufmerksamkeit und das ist natürlich auch 'ne Währung und dadurch entstehen dann Hypes auch quasi teilweise im Grunde organisch, weil die Marken gar nichts machen müssen. Also die Marken müssen quasi im Grunde nur 'n Produkt auf den Markt bringen, was irgendwie interessant ist und dann, äh, entsteht so 'n Hype fast schon, ja, automatisch. Das ist jetzt 'n bisschen sehr simplifiziert, aber ich glaub, du weißt, was ich meine.

00:28:26: Yasmin Interview: Absolut. Hast du schon mal erlebt, dass du das Gefühl hattest, okay, einer oder mehrere Follower kleben an deinen Lippen, die würden jetzt quasi alles kaufen, was du sagst?

00:28:34: Leo Interview: Also man bekommt es natürlich direkt selten mit. Also es gibt jetzt wenige Leute, die, ähm, also zumindest bei mir gibt's jetzt wenige Leute, die, die dann irgendwie, ich weiß nicht, irgendwelche Nachrichten schreiben, die vielleicht 'n bisschen zu weit gehen oder wie auch immer.

Man bekommt natürlich mit irgendwie Leute, die auf jede Story antworten, die du machst und so weiter und so fort. Deswegen, so 'n bisschen merkt man dann schon, wenn, wenn Leute einfach sehr genau verfolgen, was man da so, so tut und so: sagt. Und was ich tatsächlich auch merke, ist, wenn dann mal 'n Video irgendwie viral geht oder halb viral geht, dann bilde ich mir zumindest immer mal ein, dass man das tatsächlich auch vor Ort in den Drogerien merkt. Äh, also ich hab jetzt letztens zum Beispiel ein Video zu so einer Intimwaschlotion gemacht, die ich besonders feier. Nicht weil's 'ne Intimwaschlotion ist, sondern weil's einfach 'n sehr krasses Allrounder Produkt ist.

00:29:21: Yasmin Interview: Hab ich gesehen und mich gefreut, dass ich sie eh schon zu Hause hatte.

00:29:24: Leo Interview: Aber

00:29:24: Yasmin Interview: auch tatsächlich einfach, weil's 'ne gute Waschlotion insgesamt ist.

00:29:28: Leo Interview: Genau, man kann sie einfach überall anwenden und es steht halt zufällig Intimwaschlotion drauf. Und da bin ich jetzt schon in mehreren Drogeriemärkten gewesen, wo sie dann halt ausverkauft ist. So und, ähm- Immer. Genau. Und das ist natürlich dann irgendwie schon krass zu sehen, dass man irgendwie dann, äh, tatsächlich 'nen Impact im realen Leben sozusagen hat.

Wie man mit dieser Verantwortung umgeht, ist natürlich, äh, ist, ist natürlich 'ne andere Frage. Einerseits kann man natürlich sagen, okay, die Zuschauer und Zuschauerinnen haben auch einfach 'n gewisses Maß an Eigenverantwortung. Hautpflege insbesondere ist natürlich auch 'n schwieriges Thema,: womit ich mich auch immer schwer tue, weil ich halt weiß, okay, nur weil ich ein Produkt gut finde, heißt das nicht, dass es andere Leute auch gut finden. Ich hatte zum Beispiel, ich will jetzt nicht das Produkt beim Namen nennen, aber vor gut 'nem Jahr kam 'n Produkt in die Drogerie, was ich extrem feier. Es funktioniert für meine Haut wirklich grandios und das Video, was ich dazu gemacht habe, ist auch wirklich sehr viral gegangen. Ist, glaub ich, bis heute eins der, äh, eins der viralsten Videos auf meinem Account. Und da hab ich dann aber ziemlich viel Backlash bekommen, weil extrem viele Leute das Produkt nicht mögen, vor allem auch aufgrund haptischer Gründe, ne. Also Geruch oder wie sich's aufträgt oder wie auch immer. Wo dann natürlich auch irgendwie individuelle Toleranzen einfach weit auseinandergehen, ne. Also mich stört vielleicht 'n Geruch überhaupt nicht und die nächste Person sagt: „Das ist das Ekelhafteste, was ich in meinem Leben jemals gerochen habe.“ Und- Ja, mit so was tue ich mich irgendwie dann immer schwer, weil natürlich, ich könnte jetzt in jedem Video dazu sagen: „Hey, das ist nur meine Erfahrung, jede Haut ist anders, bla bla bla bla bla.“

Aber zum einen, also man kommt sich dann halt auch immer irgendwie bis bisschen bescheuert vor, das jedes Mal dazu zu sagen: und denkt sich dann: „Ja, das ist doch auch irgendwo logisch, ne. Also ich bin natürlich ein Mensch und der nächste Mensch ist ein anderer Mensch. Da wird natürlich jetzt die Hautpflege wahrscheinlich ein bisschen anders anschlagen oder funktionieren als, als bei mir. Äh, andererseits will ich halt auch Leute irgendwie nicht in die Drogerie schicken in dem Denken: „Ah, okay, sie haben jetzt den neuen heiligen Gral entdeckt", und dann sind sie total enttäuscht am Ende. Da tue ich mich auch schwer. Also du hattest ja vorhin auch gefragt, ob ich mich jetzt irgendwie als Content Creator oder als Influencer sehe oder ob ich generell irgendwie ein Label darauf mache. Ich habe mich sehr lange sehr schwergetan mit dem Label Influencer, weil's auch irgendwie, glaube ich, sehr negativ behaftet ist in der Gesellschaft. Aber man kommt natürlich ab einer gewissen Reichweite trotzdem auch nicht drum rum, zu wissen, ich influence Leute, ich habe Einfluss so. Also das, was ich mache, ist nicht einfach ein luftleerer Raum, sondern da passiert auch dann tatsächlich was. Und also muss man auch einfach damit, damit klarkommen.

00:31:50: ne, dass man-- Es gibt ja auch ganz basale, wirklich so universelle Sachen. Also dass man vielleicht sagt: Gut, Parfüm in Hautpflegeprodukten, die man sich aufs Gesicht tut, ist vielleicht generell nicht so gut. Also es gibt ja schon auch Parameter, anhand derer man erst mal so eine grundsätzliche Aussage treffen kann, ne. Und der Rest ist dann wahrscheinlich wirklich einfach Typfrage. Also hast du ölige Haut, hast du trockene Haut, hast du ein Bedürfnis, hast du, wie du auch gerade gesagt hast, bist du geruchsempfindlich und so weiter. Das heißt, sollten die Follower vielleicht auch ein bisschen darauf achten, wem folgen sie? Und natürlich dann, wie du's auch machst, ganz transparent sagen: „Also meine Haut hatte mit Akne zu tun. Deswegen komme ich aus dieser Ecke und gucke aus dieser Linse quasi auf die Produkte." Oder wie siehst du das?

00:32:41: Leo Interview: Also ich gehe mittlerweile an Produktbewertungen immer, äh, über sozusagen über zwei Ebenen ran. Die eine Ebene ist: Was verspricht das Produkt, und was davon kann ich jetzt anhalb, anhand dessen, was ich über das Produkt weiß, als, ich sage mal, zumindest legitimes oder glaubwürdiges Versprechen einordnen, ne.

Also wenn jetzt ein Produkt: sagt, es hilft gegen unreine Haut und dann sind da fünf Ingredients drin, äh, vielleicht transparent mit Konzentration angegeben, die tatsächlich eine gute, Studienlage haben, dass sie wirksam sind, dann kann ich sagen: „Okay, hey, auf dem Papier sieht dieses Produkt, gut aus." und dann kommt natürlich immer der persönliche Test und da versuche ich dann teilweise, einfach sehr stark ichbezogene Statements zu machen. Wenn man meine Videos anschaut, dann kennt man wahrscheinlich vor allem dieses „auf dem Papier". Das sage ich ganz oft: „Auf dem Papier sieht dieses Produkt so und so und so aus."

00:33:28: EINSCHUB MASHUP PAPIER: Aber auf dem Papier sieht er tatsächlich ziemlich cool aus. Dann der Toner, den finde ich tatsächlich auf dem Papier am spannendsten, weil's einfach nach einem soliden, pflegenden Milky Toner zu 'nem guten Preis aussieht.

00:33:39: legitimen und weniger legitimen Versprechen und der Leo nimmt das jetzt so und so wahr, was halt ein positiver oder negativer Indikator sein kann. Und was du grade auch gesagt hast, also ich fände es super großartig, wenn Leute sich quasi grade bei Hautpflege Creator raussuchen, die ungefähr sozusagen ihrem eigenen Hauttypen entsprechen. Also ich hab, ich sag mal, eher ölige Haut. Ich würd sagen, ich hab jetzt nicht krass ölige Haut, aber ich hab schon ölige Haut und natürlich Unreinheiten. Das ist jetzt prinzipiell erst mal der Hauttyp, wo ich sagen würde, da wirst du wahrscheinlich am meisten Mehrwert aus meinem Account ziehen. Natürlich kann es dir auch helfen, 'ne Bewertung von mir zu bekommen auf dem Papier, ne. Also ich kann dir sagen, okay, ist ein Produkt an sich legitim. Das Wissen dazu haben jetzt die meisten Konsumenten wahrscheinlich auch zumindest eher nicht so hundertprozentig. Aber grade wenn's halt um persönliche Erfahrungen geht, dann bringt dir natürlich mein Account deutlich mehr, wenn du auch 'n ähnlichen Hauttypen hast wie ich.

00:34:53: produktiv sein kann.

00:35:00: Leo Interview: Ja, also ich glaub, grade beim Thema Hautpflege kann so was tatsächlich sehr hilfreich sein, weil ich, sagen wir mal so, wir alle wünschen uns ja wahrscheinlich eigentlich jemanden, der mit uns Hand in Hand in die Drogerie geht und uns irgendwie sagt: „Hey, das könnte zu dir passen und das könnte nicht zu dir passen." Und so was können Influencer in gewisser Kapazität natürlich irgendwie schon delivern. Also wenn du jetzt sagst: „Okay, ich starte jetzt mal damit, Leos Videos anzuschauen und die Grundvoraussetzung ist schon mal gut gegeben, weil ich hab 'n ähnlichen Hauttyp wie Leo und ich hab ähnliche Probleme wie Leo", dann ist natürlich die Wahrscheinlichkeit schon mal höher, dass die Empfehlungen, die ich gebe, dir irgendwie was bringen und irgendwie für dich, relevant sind. Und wenn du dann sozusagen anfängst, irgendwie mal hier 'ne Empfehlung nachzukaufen und hier 'ne Empfehlung nachzukaufen und merkst, hey, das bringt was und ich feier die Produkte, dann kann das natürlich in Zukunft schon auch 'n sehr guter Indikator sein. Dann kannst du einfach sagen: „Hey, okay, das, was der Leo empfiehlt, das funktioniert für mich in der Regel."

Das heißt, ich benutz jetzt seinen Content einfach mal, um sozusagen genau dieses Feeling zu delivern. Nämlich ich lauf mit jemandem an der Hand sozusagen in die Drogerie: und, kauf dann eben das, wo ich weiß, zumindest dass die Wahrscheinlichkeit mal höher ist, dass es für mich sozusagen irgendwie funktioniert oder was bringt. Und das merk ich auch. Also das, das spiegelt sich auch auf Social Media wider, dass das halt die Erfahrung ist, die viele Leute irgendwie dann auf Social Media auch suchen, weil ich einfach merke, okay, jedes Mal, wenn 'n neues Produkt rauskommt, kommen halt oft dieselben Pappenheimer sozusagen an und sagen einen Tag später: „Leo, wo ist dein Video zu dem und dem Produkt? Ich will wissen, ob das sozusagen für mich passt oder nicht." Was natürlich dann auch irgendwie 'n Indikator dafür ist, dass das zumindest für gewisse Leute ganz gut funktioniert, dieses Modell.

00:36:36: Yasmin Mod Folge 3: Dank Leo. Schön, dass du dabei warst. Leos Accounts findet ihr natürlich auch in den Show Notes. Ja, dieses Modell funktioniert auf jeden Fall, also für beide Seiten dann, ne, für Influencer und Follower. Also ja, eine parasoziale Beziehung kann hilfreich sein. Ob sie dann aber gleich gesund ist, auch wenn sie zu 'nem Goodfluencer besteht? Wahrscheinlich nicht. Das ist so in dem Phänomen überhaupt nicht angelegt, glaube ich.

Gibt es die denn überhaupt,: die gesunde parasoziale Beziehung? Das frag ich doch noch mal Professor Dr. Astrid Müller von der Medizinischen Hochschule Hannover. Die hatten wir ja in der letzten Folge schon kennengelernt.

00:37:10: wohler fühlen.

00:38:00: Astrid Müller Folge 3: Wenn sie natürlich ihren Fokus immer mehr darauf legen, auf diese Beziehung, die ja nicht echt ist, das ist eine Beziehung mit einer Maschine. Und hinzu kommt, dass es hier ja in der Regel so ist, dass das Pendant, das elektronische auf der anderen Seite ja mit uns lernt, wenn wir mit ihm kommunizieren und eher nach unseren Bedürfnissen mit uns kommuniziert. Also vielleicht nicht so kritisch ist wie ein Partner, dem ich gegenübersitze, oder einer Freundin, der ich analog sozial gegenübersitze, die mich eher kritisiert oder auf etwas hinweist. Das ist natürlich verführerisch. Das Nächste ist, es kann endlos sein. Ja. Also ich kann hier eine endlose Kommunikation machen.

Im normalen analogen sozialen Kontakt ist auch mal Schluss. Oder es gibt noch andere Bedürfnisse. Oder die Person berichtet wesentlich mehr von sich selbst. Also ich glaube, es ist nicht das Gleiche. Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, dass, wenn das gut dosiert ist,: für manche so, ich sag mal, mentale Auszeiten bietet, wo es ihnen vielleicht besser geht. Ja, warum sollen sie das nicht nutzen? Also ich würds-- es ist so wie mit allen Fortschritten, ne. Das hat immer so Pro und Cons.

00:39:17: Yasmin Mod Folge 3: Tja, und da bringt mich Professor Dr. Müller schon wieder zum Nachdenken, denn sie spricht was Wichtiges an, ne? Die Chatbots, die Zukunft, da gibt es riesengroße Pro und Contras. Ich gehör eher zur ängstlichen Fraktion. Es gibt aber einige, die das anders sehen. die Zukunft, die ist jetzt schon da. Wenn sich der Feed weiterentwickelt, müssen wir trotzdem irgendwie hinterher. Können wir da überhaupt noch folgen? Und wenn die Influencer nicht mal mehr organisch leben, sondern rein virtuell existieren, was passiert dann mit der parasozialen Beziehung, mit unserem Kaufverhalten? Können die KI-Fluencer überhaupt so auf uns wirken wie die echten? Wollen wir das? Ist es so weit gekommen? Und wie muss man eigentlich KI-Content kennzeichnen? Machen das alle? Bringt uns das was? Ist KI unser Ende? .

00:40:00: Na ja, keine Albträume jetzt. Wach bleiben. Das und mehr in der nächsten Folge von "Para, Sozial". Bis dahin: Handy nicht mit ins Schlafzimmer nehmen. Kleiner Tipp von mir. Bis dann.

00:40:29: Outro: Folge dem Podcast, um nichts zu verpassen und gib eine Bewertung ab. Darüber freuen wir uns sehr. Und auch sonst sind wir natürlich offen für Themenwünsche und Gedanken. Entweder per Kommentar unter die Podcast-Folge oder auf allen anderen Kanälen. Dürfen die das? Ist ein Podcast der Verbraucherzentrale Berlin, gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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