"Para, Sozial" | Folge 2/4: Lamborghinis & Schatten

Shownotes

Halloween steht vor der Tür! Und um uns richtig zu gruseln geht es in der zweiten Folge dieser Staffel mal vorrangig um den Para-Teil von Para, Sozial: Das eigene Geld.

Denn wenn die parasoziale Beziehung zu eng oder gar toxisch wird, kann das richtig heikel werden – für die Psyche und fürs Portemonnaie.

In dieser Episode wagt Yasmin einen Blick in die dunklen Ecken und Gassen unserer (eigentlich doch) Sozialen Medien, in denen Fake-Finanzcoaches mit Lamborghinis im Bildausschnitt versprechen, garantiert so reich zu werden wie sie. Oder Medfluencer ihren Followern von Krankheiten berichten, die es so namentlich gar nicht gibt. Sie beleuchtet auch die Schattenseiten in sich: Mit der Psychologischen Psychotherapeutin Prof. Dr. Dr. Astrid Müller von der Medizinischen Hochschule Hannover spricht sie über die Frage, ob sie schon eine Kandidatin für eine Kaufsucht ist und Prof. Müller ordnet ein, welche Rolle die parasoziale Beziehung in Hinblick auf eine Suchtentwicklung einnehmen kann.

Außerdem: Exklusive Berichte aus den Verbraucherzentralen dabei, in denen Betroffene schildern, wo sie Online-Finanzscams begegnet sind. Mit ihrem Gast Marian Kulig von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen spricht sie zudem u.a. über das Projekt “Faktencheck Finanzen” und was die Fähigkeit, falsche Finfluencer-Narrative zu entlarven, auch mit einer starken Demokratie zu tun hat. Disclaimer: Marian kann mühelos in den Finanzcoach-Modus shapeshiften, beim Hören der Folge also bitte wachsam bleiben!

Skript, Moderation, Produktion: Yasmin Polat Musik und Soundeffekte: Descript

_ “dürfen die das?” ist ein Podcast der Verbraucherzentrale Berlin, gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.”_

QUELLENLINKS:

verwendete Audios: Faktencheck Finanzen Video 1 und Video 2

Faktencheck Finanzen findet ihr auf TikTok und YouTube.

Transkript anzeigen

00:00:00: COLD OPEN: Hey du, ich bin dreiundzwanzig. Ich hatte nichts. Ich wollte immer was Größeres. Ich wollte noch den Stern greifen. Das ist zwar erst mal eine kleine Investition, aber das hast du relativ schnell raus. So, in dem Kurspaket sind

00:00:20: Yasmin Mod: Okay, wir wissen jetzt, parasoziale Beziehungen sind kein neues Phänomen, aber doch logische Konsequenz aus der Entwicklung von Social Media wir wissen auch, unser Kaufen hat längst nicht mehr nur mit Arbeitsteilung zu tun, sondern auch mit emotionalen und sozialen Motiven, mit einem Wunsch nach Erweiterung. Aber wie weit kann das gehen?

Ich hatte es ja schon in der letzten Folge angerissen Je nachdem, in welcher Grundverfassung und in welchen Timelines wir uns bewegen, kann uns das tägliche Scrollen möglicherweise durchlässiger machen, empfänglicher, anfälliger für alles Mögliche. Und dann kann es: von null auf 180 ziemlich heikel werden, wenn man nicht rechtzeitig auf die Bremse drückt. Also heikel für unsere Psyche und für unser Portemonnaie Mein Name ist Yasmin Polat. Ich bin Podcasterin und Autorin und für die Verbraucherzentrale Berlin mache ich mich auf die Suche durch einen Ort, der mir so vertraut scheint, obwohl er voller Fremder ist: Social Media In dieser Folge treten wir in den Schatten. Wir begehen die dunklen Ecken der Timelines, die auf den ersten Swipe so freundlich und vielversprechend wirken. Wir erfahren von zwielichtigen Figuren, die mit Lamborghinis im Bildausschnitt erzählen, wie man so reich werden kann wie sie. Und wir bekommen Antwort auf die Frage, wann so kleine, stetige Kaufräusche eigentlich in eine ausgewachsene Sucht münden.

Kurz gesagt, heute geht es darum, wie wir uns vor dem Ruinfluence bewahren können. Ja, man kann diese Folge als kleines Audiowarndreieck sehen, als digitales Gruselkabinett der Möglichkeiten: Herzlich willkommen bei Parasozial Folge zwei: Lamborghinis und Schatten.

00:02:12: Yasmin Mod: Wir leben in einer Zeit, in der es belohnt wird, auf Social Media aktiv zu sein. Kein Wunder, ne? Man kann dort legitime Karrieren hinlegen. Man kann da auch eigentlich noch ganz vernünftig Geld verdienen, wenn man es geschickt anstellt. Na ja, dafür nimmt man natürlich die ein oder anderen Leiden in Kauf. Kim Kardashian, die inoffizielle Mutter von commercial Instagram sozusagen, die hat von den ständigen Selfies sogar irgendwann mal Karpaltunnelsyndrom bekommen. Hat sie das aufgehalten? Nein, natürlich nicht. Sie hat einfach 'ne Assistentin angestellt und die hat dann ihre Selfies aufgenommen.

Alle sind hier, alle sind online, verdienen Geld, geben es woanders wieder aus, streiten sich, finden sich, folgen einander. Social Media ist eine digitale Parallelwelt, eine Megametropole der Möglichkeiten ; na ja und in so einer Megametropole: versammeln sich alle möglichen Menschen, Bots, Spukgestalten Da braucht es offen gestanden nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wer oder was in den dunklen Gassen und Timeline-Ecken alles lauern kann Influencer, die Nahrungsergänzungsmittel bewerben, die nichts bewirken oder sogar schaden können Sogenannte Coaches, die in ihre teuren exklusiven Webkurse locken, die sich dann als generische Videos oder PDFs entpuppen Medfluencer, die ihren Followern von Krankheiten berichten, äh, die es so in der Form gar nicht gibt

Jingle Neuer Tab. Öffnen. Gemeint ist Alina Walbrun aka @DocAlina, Medfluencerin und Unternehmerin, an die 280.000 Follower, das Medizinstudium zwar abgeschlossen, aber noch keine Approbation. Im Juli 2026 gab es einen Skandal rund sie, der ausgelöst wurde durch einen Prank vom: YouTuber Marvin Wildhage. Der ist für seine, ja, investigative Arbeitsweise bekannt und hat schon in der Vergangenheit Influencer reingelegt und dadurch Missstände aufgedeckt.

Dieses Mal hatte er eine Krankheit erfunden mit dem Namen postvirale nasale Hypersensibilität, PVNH. Dabei soll nach Infekten die Nase länger sensibel sein und sogar anschwellen. Was natürlich besonders lustig ist, weil das ist 'ne Anspielung auf Pinocchio und die lange Nase. Er hat’s aber sogar noch 'n bisschen deutlicher gemacht Die angebliche Studienleiterin seiner Fake-Pharmafirma hieß sogar Dr. Beatrice Gepetto. Also, come on, er stößt mit der Nase drauf. So, und damit hat er ein paar Medfluencer angefragt. Die sollten auf die Krankheit aufmerksam machen, natürlich gegen Geld. Wer hat diese Anfrage angenommen? Alina Walbrun. Sie hat aber in ihren Insta-Storys nicht nur auf die vermeintliche Krankheit aufmerksam gemacht. Nein, sie hat behauptet, sie würde darunter leiden und hätte im Studium davon: gehört. Das Video von Marvin Wildhage geht viral und entfacht eine Debatte darum, welchen medizinischen Inhalten vertraut werden kann. Denn eine Studie von 2024 hat herausgefunden, dass 74 % der Jugendlichen sich im Internet über Gesundheitsthemen informieren. Das war eine Studie des Sinus-Instituts im Auftrag der Barmer Krankenkasse, verlinke ich auch noch mal in den Show Notes. Alina Walbrun hat sich darauf noch mal geäußert und eingeräumt, dass sie den Begriff nicht ausreichend geprüft hatte. Die Symptome, die sie beschrieben hatte, wären aber real und an einem tatsächlichen Krankheitsbild orientiert. Sie hat angekündigt, das erhaltene Honorar zu verdoppeln und an Ärzte ohne Grenzen zu spenden

Jingle Tab schließen. Klar, manchmal ist das echt überzeugend, ne? Oft erkennt man gar nicht, ob das stimmt, was wirklich hinter einem Post steckt, wer da überhaupt in die Handykamera n Stück weit muss man sich aufeinander verlassen, auf die Integrität des: Influencers und der eigenen Medienkompetenz, der nötigen Distanz. Dazu gehört aber auch, zu sich selbst auf Distanz zu gehen also in die Außenperspektive auf sich, auch wenn's dabei mal unangenehm wird. In der letzten Folge hab ich mich ja schon dazu bekannt, dass ich Onlineshopping so 'n bisschen als microdosing Weihnachten empfinde und zur Selbstreflexion gehört auch dazu, dass ich hier und da, wenn ich mal wieder auf Bestellen klicke, diese Mischung aus Scham und Rausch spüre. Und da muss ich ehrlich sagen, da kommt schon ab und an diese leise Stimme auf, die sagt: „Ähm, ab wann geht so was eigentlich in 'ne Kaufsucht über, Yasmin?" Professor Dr. Dr. Astrid Müller kann mir darauf Antwort geben. Sie ist Psychologin an der Medizinischen Hochschule Hannover und leitet die Arbeitsgruppe „Substanzungebundene Abhängigkeitserkrankungen." Sperriges Wort, will aber nur heißen, da ist keine Substanz in dem Sinne im Spiel. Na ja, wir treffen uns zur Aufnahme, unterhalten uns eine Weile über ihre Arbeit und dann lenke ich das Gespräch ziemlich schnell auf mich

00:07:01: Frau Professor Dr. Müller, ich freu mich, dass Sie dabei sind. Danke für Ihre Zeit.

00:07:04: Um jetzt mal ganz privat zu werden: Also ich bin so ein Mensch, wenn ich weiß, ne, eine Onlinebestellung ist unterwegs, es gibt irgendwas, worauf ich mich freuen kann, so eine kleine Perspektive, ein kleines Paketchen. Das ist für mich so ein bisschen wie Weihnachten zu microdosen, ne. Also das ist immer so ein bisschen so ein kleiner Dopaminkick. Zeigt das denn schon so eine Tendenz oder eine Gefahr zur Abhängigkeit? Also bin ich eine Kandidatin, eine Kaufsucht zu entwickeln?

00:07:25: Prof. Astrid Müller: Also wenn Sie das nur ab und an machen, ist das normal. Das machen ganz viele in unserer Gesellschaft. Wenn Sie aber überhaupt keine andere Möglichkeit mehr haben oder nur noch darauf zurückgreifen, damit Sie sich ganz schnell gut fühlen, besser fühlen oder weniger schlecht fühlen und das quasi so ganz automatisch, ohne dass Sie weiter drüber nachdenken oder das reflektieren, das ständig machen, dann haben Sie ein erhöhtes Risiko.

Plus wenn Sie bemerken, dass es schon erste negative Konsequenzen gibt, dass Sie gedanklich damit beschäftigt sind, dass Sie: sehen: Oh, vielleicht kommen Sie jetzt schon in finanzielle Engpässe oder das Geld ist weg, was Sie eigentlich für was anderes benötigten. Sie beginnen, das so ein bisschen zu verheimlichen, zu bagatellisieren, zu beschönigen. Dann sollten Sie in sich gehen.

00:08:15: Yasmin Mod: Frau Dr. Müller sagt, dass so was häufig erst dem Umfeld auffällt, weil man dadurch dann zum Beispiel andere Sachen vernachlässigt, ne? Also Hobbys, Freundschaften, Sport et cetera. Bedeutet, einem selbst fällt das dann womöglich viel später erst auf, im Zweifelsfall zu spät. Ich frage Sie, was man denn dagegen tun kann

00:08:32: Online-Kaufsucht gehört auch das Recherchieren und Browsen. Und das ist therapeutisch und neurobiologisch wichtig, weil damit werden die gleichen, ich sag jetzt mal ganz Simpel ausgedrückt Verbindungen, Konnektivitäten im Gehirn aktiviert, wie wenn ich normal etwas bestelle, weil ich bin die ganze Zeit damit beschäftigt. Ich bin die ganze Zeit damit beschäftigt. Ich habe den Fokus darauf. Das heißt, auch die Online-Browsing-Zeit ist wichtig. Und es ist erstaunlich, auf welche Zeiten Patient:innen kommen. Ich habe Patient:innen gesehen, die tatsächlich zwischen sechs und zehn Stunden täglich gebrowst haben. Weil das können sie machen an der Bushaltestelle, das können sie machen in der Vorlesung sitzend, das können sie machen während der Familienfeier. Also sie können quasi einer analogen Aktivität nachgehen und gleichzeitig browsen.

00:09:55: Sucht zu entwickeln, denken Sie?

00:10:01: vielleicht 'n Schwank aus ihrem Privatleben erzählt, also Sie so, Sie so eine quasi freundschaftliche Beziehung haben, sind Sie vielleicht eher geneigt, etwas zu kaufen oder weniger dazu geneigt, ohne 'n Kauf rauszugehen, weil Sie wollen sie ja nicht enttäuschen. So spielt das hier natürlich noch mal eine wesentlich größere Rolle, zumal Sie hier so einen Multiplikationseffekt (haben.)

00:11:17: Yasmin Interview: Ja, und so eine parasoziale Beziehung, die kann man vermutlich auch selber gar nicht erst wirklich reflektieren, oder? Sondern vielleicht kommt das auch von außen.

00:11:26: Prof. Astrid Müller: Doch, ich glaube, dass man das schon kann. Wenn man dem zu sehr verfällt, dann wird's schwierig, so wie bei allen Süchten. Also die Dosis macht das Gift sozusagen. Ich finde das nicht schlimm, Influencern zu folgen. Mein Gott, wenn das jetzt die Mode ist, für mich persönlich wär's jetzt nix, aber wenn das anderen gefällt.

Aber wenn das so der Hauptinhalt wird und nicht mehr reflektiert wird, wie viel davon gemacht ist, wie viel fake ist, wie viel nicht echt ist, wie viel be-beschönigt ist Dann könnte das ein Problem werden. Und wenn ich vor allem dadurch: analoge soziale Beziehungen vernachlässige, dann wird's ein Problem

00:12:06: Yasmin Mod: Dann wird's 'n Problem. In einem Bereich gehen die Probleme aber schon viel früher los, auch wenn jetzt zum Beispiel noch gar keine parasoziale Beziehung im Spiel ist, nämlich wenn es um die Finanzen geht. Da wird wirklich einiges an Schindluder getrieben. Das wissen wir ja irgendwie auch, ne. Aber wie krass das teilweise ist, da macht man sich keinen Begriff, wenn man nicht betroffen ist. Das weiß ich jetzt, denn durch die Verbraucherzentralen sitz ich jetzt ja quasi an der Quelle, weil die dokumentieren alle möglichen Beschwerden zu Anbietern. Entweder vor Ort, also jemand kommt in die Verbraucherzentrale des jeweiligen Landes und berichtet von seinen Erfahrungen und jemand von der Verbraucherzentrale dokumentiert.

Das passiert aber in der Praxis eher selten, vielleicht auch, weil das erst mal mit Scham belegt ist, ne. Die andere Möglichkeit ist online, also über das Beschwerdeformular. Das geht über die Website. Da kann man dann einfach einmal eintragen, was passiert ist. Und, äh, weil ich jetzt hier 'n paar Folgen lang den ganz kurzen Dienstweg habe, hab ich einiger: solcher Beschwerden netterweise zugespielt bekommen und fand das wirklich krass

00:13:04: Yasmin Mod: Ich hab mir mal drei von diesen Beschwerden rausgesucht und aus denen zitier ich jetzt mal, natürlich anonymisiert. Und ich mach uns mal auch ein kleines Feuer an hier, sonst wird's echt bitterkalt. So, Lagerfeuer an. Der Anbieter tritt vor allem bei Instagram auf mit der Werbung, Frauen empowern zu wollen. Rücklagen aufbauen, investieren. Sie verschleiern komplett, dass sie Versicherungsmaklerinnen sind, Depots und ETFs damit nicht anbieten können und welche Kosten sie nehmen. Oder hier noch 'ne Beschwerde: Verbraucher hat auf einen TikToker-Influencer gehört, der ihm versprach, die ersten Schritte ins Traden zu erklären.

Er lockte den Verbraucher dann auf eine mutmaßliche Fake-Krypto-KI-Seite namens (PIEP), versprach ihm Gewinne und zahlte diese nicht aus. Im Gegenteil, Verbraucher soll jetzt erst die Steuern extern bezahlen, bevor er: seinen Gewinn bekomme. Nachdem der Verbraucher gefragt hatte, warum die Steuern nicht vom Gewinn abgezogen werden, meinte er, man muss sie extern zahlen. So wurde der Verbraucher misstrauisch und recherchierte im Internet. Leider wurde er fündig, genau wie in unserem Bericht zu lesen war. Homepage am Tag der Fallmeldung nicht aufrufbar. Oder hier der dritte Bericht: Ich verfolge seit einem Jahr das Geschäftsmodell von (PIEP.) Hier wird täglich ein junges, unerfahrenes Publikum dazu verleitet, über Affiliate-Links in Hochrisiko-Optionsscheine im Kryptobereich zu investieren, in Anführungsstrichen.

Es werden Affiliate-Provisionen verschleiert, Test von Strategien vorgetäuscht, grundsätzlich das Risiko verleugnet, Finanzberatung gemacht zu haben. Danach ab und zu kurz die Worte Keine Finanzberatung, in Anführungsstrichen. Ich schätze das Geschäftsmodell in Deutschland auf einen dreistelligen Millionenbereich ein, in dem unerfahrene Menschen: ausgenutzt, belogen und betrogen werden.Ich bitte Sie, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Feuer aus hier, Feuer aus.

00:15:10: Yasmin Mod: Ja, bitter ist das. Und besonders bitter, wenn man weiß, dass Finfluencer vor allem bei jungen Menschen viel Reichweite Erst neulich hab ich nämlich wieder 'n ZDF-heute-Artikel gelesen, in dem das hier stand: „Jede fünfte Person zwischen 16 und 30 Jahren lässt sich in ihren Finanzentscheidungen auch durch Social Media beeinflussen." Ja, im Grunde genommen ist das ja auch erst mal nicht schlecht, ne. Es gibt viel seriöse Anbieter und Accounts, die ich zum Beispiel auch sehr schätze. Shoutout an diverse Finanzaccounts, die mir schon geholfen haben. Außerdem ist es natürlich auch erst mal gut, dass sich durch diese, ich sag jetzt mal, Snackability der von Natur aus eher trockenen Finanzthemen auch Menschen dafür interessieren, die sonst raus wären. (*räusper* Ich)

Nur das Problem ist leider, wenn man sich als Finanzgott zeigt auf Social: Media, werden praktisch nie Nachweise verlangt. Und vielen von uns ist dann nicht bewusst, dass sie da zum Beispiel eigentlich grad vielleicht 'ne Werbung konsumieren. für die die Finfluencer eine Provision oder Ähnliches bekommen. Ehrlicherweise, einiges bekommt man gar nicht mit, wenn man jetzt nicht Zielgruppe ist oder durch andere Bubbles scrollt, ja. Es ist so'n bisschen auch wie im Ozean, um da noch mal 'n anderes Bild aufzumachen. Da gibt's ja auch ganze Lebensarten, die ich mir nicht mal ausdenken könnte. Ja, und jetzt stell ich mir grad so 'n Tiefseeanglerfisch vor, der statt der Lampe aufm Kopf mit so 'nem 100-Euro-Schein als Köder seine Bahn zieht. Na ja, und so gluckern dann die vielen teils falschen Informationen, unrealistisch hohe Renditeversprechen an die Meeresoberfläche. und dann stehen wir da an den Klippen

00:16:44: Yasmin Mods Folge 2: Mein nächster Gast stürzt sich glücklicherweise regelmäßig in die Wellen und Untiefen für uns. Marian Kulig von der Verbraucherzentrale NRW.

00:16:52: Er betreut gemeinsam mit Laura Bernsau das Projekt „Faktencheck Finanzen.“

00:16:56: also quasi an den Orten des Geschehens, an den Klippen, und sie bewahren uns davor, Ruinfluenced zu werden. Einspieler O-Töne YouTube-Videos Faktencheck Finanzen]

00:17:23: Yasmin Mod: Marian ist zu Gast. Er wird uns jetzt die nächsten Minuten mal an die Hand nehmen. Also keine Angst, er schwimmt vor, wir paddeln nach. Aber bitte trotzdem wachsam bleiben. Marian kann nämlich ganz schnell in den Finanzcoach-Modus wechseln. Achtung

00:17:38: Yasmin Interview: Hallo und herzlich willkommen in dieser Staffel "Dürfen die das?" Marian Kulig.

00:17:42: Marian Kulig: Hi, Yasmin. Grüß dich.

00:17:44: Yasmin Interview: Hi. Danke, dass du dabei bist. ich hab dich ja angeschrieben, weil ich alles zu dem Projekt wissen wollt, äh, Faktencheck Finanzen. Aber zuerst muss ich mal fragen: Wie lange bist du denn schon in der Verbraucherzentrale und seit wann gibt es dieses Projekt?

00:17:57: Jahren und das Projekt ist 2024, Ende 2024 an den Start gegangen. Genau, also da haben wir das Projekt gestartet und im Januar 2025 haben wir das erste Video veröffentlicht.

00:18:12: Yasmin Interview: Und da gab es dann wahrscheinlich aber auch 'n bisschen Vorlauf. Das heißt, ihr habt wahrscheinlich schon 'n bisschen länger beobachtet: Okay, da muss irgendwas getan werden. Man muss vielleicht mal wirklich auf die Kanäle quasi drauf und den Leuten genau dort auch sagen, was da vielleicht, äh, unseriöse Angebote sind. Oder wie kam das zustande?

00:18:26: Marian Kulig: Also die ursprüngliche Idee, die ist aus der aufsuchenden Verbraucherarbeit gekommen. So, das heißt, die Kolleginnen und Kollegen dort in den Quartieren, die haben viel mit Jugendlichen, mit jungen Menschen gesprochen und die haben festgestellt, dass deren Vorstellung von Geld und Finanzen irgendwie so gar nicht mit der Realität übereinstimmen. Das waren wirklich so diese klassischen so: "Ja, ich hab bei TikTok gesehen, da ist so 'n Typ, der hat irgendwie 'ne Methode gefunden, mit der man super schnell reich werden kann. Der fährt auch selbst Lamborghini und ich will das auch und ich hab gar keinen Bock auf Schule und Ausbildung mach ich überhaupt nicht."

Und ja, und dann haben wir uns halt gefragt so Ja, was, was geht denn überhaupt bei TikTok ab? So, und dann haben: wir natürlich ganz, ganz viel TikTok geschaut. Also ich weiß noch ganz am Anfang, als ich mich darauf vorbereitet hab auf dieses Projekt, hab ich mich wirklich so eingeschlossen, die Rollladen hier runtergemacht. Nein, so schlimm war es nicht. Aber ich hab wirklich sehr, sehr viel, wahrscheinlich ungesund viel TikTok geschaut.

00:19:14: Yasmin Interview: Mhm.

00:19:15: Marian Kulig: Um einfach da reinzukommen, also was auf dieser, was auf dieser Plattform los ist, welche Narrative dort verbreitet werden, aber auch welche Akteure dort unterwegs sind. So, und dabei kam schon heraus, dass da sehr viel Ja, Falschinformationen, halbseidene Informationen verbreitet werden, sehr viel mit Sehnsüchten gespielt wird, sehr viel mit Träumen, insbesondere von jungen Menschen. Und das wird natürlich dann zum Problem, wenn junge Menschen sich ausschließlich über Social Media informieren. Wir nennen die immer gering informationsorientierte Verbraucherinnen und Verbraucher. Das ist ein sehr technischer Begriff.

00:19:46: Yasmin Interview: Den merk ich mir.

00:19:48: Marian Kulig: Den kannst du dir gerne mal merken. Kommt immer gut an.

Das heißt aber im Grunde einfach nur, dass eben diese Menschen halt hauptsächlich Social Media als Informationsquelle nutzen. Und wenn man den ganzen Tag von diesen Narrativen umgeben ist, dann: macht das was mit einem. Ich muss sogar sagen, Zugeständnis: Ich hab ja sehr, sehr viel geschaut davon und kam irgendwann auch an so 'n Punkt, wo ich mich gefragt hab: „Mach ich vielleicht selbst irgendwas falsch? Ich verdien nicht so viel wie die und arbeite trotzdem total viel". Also so.

00:20:13: Yasmin Interview: Krass,

00:20:14: Marian Kulig: ja. Das verfängt tatsächlich und die haben wirklich Marketing durchgespielt.

00:20:17: Yasmin Interview: Ehrlich, und das, das find ich total interessant, weil ich hätte jetzt tatsächlich gedacht so: Klar, also vielleicht ist das auch so dieser Mere-Exposure-Effekt, also dass man immer mal wieder mit etwas konfrontiert wird, dass es dann, wie du sagst, sich irgendwann verfängt. Ich hätte jetzt aus meinem Algorithmus, weil ich das auch nicht so viel habe, gedacht: „Oh, okay, das ist so offensichtlich 'n Scam, das checkt man sofort", ne. Aber du sagst: „Nee, die machen das schon richtig gut". Was ist denn so aktuell oder fällt dir irgendwas ein, wo so ein Bereich ist, wo du sagst: „Ey, da sind die halt richtig gut darin, Verbraucher, Follower, junge Menschen zu täuschen"?

00:20:47: nämlich das Perfide daran. Das heißt, alles, was du erst mal auf TikTok oder auch auf anderen Social-Media-Plattformen siehst, ist erst mal gar nicht justiziabel. Die erzählen dann halt, dass sie da irgendwie 'ne Methode gefunden haben und du sollst sie gern mal privat anschreiben und dann geben die dir weitere Infos und so weiter und so fort. Und das klingt im ersten Moment alles total schlüssig und total plausibel. Das heißt, als Außenstehender, der so 'n Video schaut, kannst du eigentlich gar nicht, du kannst eigentlich gar nicht wissen, ob das nicht doch stimmt. Das ist das, was ich grade schon angedeutet hatte. Und auch wenn die zum Beispiel irgendwelche Kontoauszüge zeigen oder wie oft sie irgendwas verkauft haben oder irgendwelche Depots zeigen, das sind dann vielleicht gefälschte Depots. Vielleicht auch nicht. Man weiß es halt am Ende nicht. Du kannst es halt super, super schlecht überprüfen und ich war auch schon 'n bisschen investigativ tätig, was das angeht, aber du kommst ultra, ultra schlecht dahinter.

Das ist wirklich 'n Problem. Was aber tatsächlich Tatsache ist Irgendwann siehst du so gewisse Muster. Das heißt, das sind Prinzipien, die sich immer wieder: wiederholen. Und das ist eigentlich ganz hilfreich. Wenn man das einmal so verstanden hat, dann ja, schützt einen das gewissermaßen davor reinzufallen.

00:22:07: Yasmin Interview: Was sind das so für Muster? Also kannst du da ein Beispiel sagen?

00:22:11: Marian Kulig: Ja, total gerne. Ich schlüpfe jetzt mal so ein bisschen in die Rolle, damit du, ähm, damit du so reinkommst.

00:22:15: Yasmin Interview: Machst du auch eine Stimme hoffentlich. Warte, ich, ähm, lehn mich zurück. Warte.

00:22:21: Marian Kulig: Ja, ja. Nee, nee, ich bin ja nicht so ein Bro, der das macht, aber, äh, ich, ich hol dich da trotzdem mal rein. Ich glaube, am Ende wirst du meinen Kurs kaufen.

00:22:27: Yasmin Interview: Safe.

00:22:28: Marian Kulig: Stell dir mal vor, du siehst ein Video von mir. So. Ich, ich bin jetzt, ich bin der Typ. Ich spreche in die Kamera. Hinter mir steht mein Lamborghini und ich sage dir: „Hey, du, ich bin dreiundzwanzig. Ich habe mir das alles selbst aufgebaut. Ich war wie du früher.

Ich hatte nichts. Ich komme aus einem einfachen Elternhaus. Ich habe die Schule abgebrochen. Ich hatte keinen Bock auf Schule. Ich wollte immer was Größeres, wollte nach den Sternen greifen. Und ich habe wirklich hart gearbeitet und ich habe eine Methode gefunden, wie ich dieses Nine-to-five-System einfach gedribbelt habe.: Und weißt du, mm, ich will, dass du auch was davon hast. So, und deswegen will ich das mit dir teilen und ich habe dafür, damit es wirklich, ja, für dich auch einfach ist, habe ich ein Kurspaket zusammengestellt. Das kannst du kaufen. Das ist wirklich, also das ist zwar erst mal eine kleine Investition, aber das hast du relativ schnell raus. So, in dem Kurspaket sind PDFs drin, sind Videos drin. Du hast einen exklusiven Zugang zu meiner Community und das Beste an diesem Kurs ist, du kannst den Kurs auch an andere weiterverkaufen.

00:23:29: Yasmin Interview: Wow.

00:23:31: Marian Kulig: Pass auf. Das heißt, du musst einmal vierhundertneunundneunzig Euro investieren. Du kannst das übrigens auch in Raten zahlen. Ist gar kein Problem, weil vierhundertneunundneunzig Euro auf einen Schlag ist vielleicht etwas viel, aber dann musst du dir vorstellen, du kannst diesen Kurs ja einfach weiterverkaufen. Und wenn du einen Sale am Tag hast, dann hast du die Kursgebühr raus und ab dann machst du Reingewinn. Bist du dabei?

00:23:50: hypnotisierende Stimme, muss ich jetzt mal dazu sagen, ja. Punkt eins. Punkt zwei: Ich hab da jetzt so'n paar Sachen rausgefischt und du kannst mir mal sagen, ob das stimmt, was ich rausgelesen habe an Mustern. Also das Erste ist, dass die Sprache schon immer relativ, ich sag jetzt mal, bildhaft und, äh, na ja, poetisch möcht ich sie noch nicht nennen, aber halt wirklich so'n bisschen greif nach den Sternen. Dann kommt dieses System nine to five. Das heißt, es werden auch wirklich immer, also eher gezielt Menschen angesprochen, die vielleicht angestellt sind, die einfach für einen Arbeitgeber arbeiten. Das ist quasi also dieser Traum, der dargestellt wird, dem man entfliehen kann. Man kann selbstständig, unabhängig, online, überall auf der Welt wahrscheinlich Geld verdienen. Das ist Nummer zwei. Nummer drei: Dass man einen, äh, exklusiven Zugang hat zu 'ner Community, also dass man eine Art Gemeinschaft bekommt. Nummer vier: Dass man nur einmal kurz investiert und dann aber ganz lange was davon hat und sogar selber Geld damit machen kann. Nummer fünf: Der Lamborghini im Hintergrund.

00:24:58: fass das mal zusammen. Es geht ganz, ganz viel um Träume und Sehnsüchte und natürlich auch um, machen wir's mal konkret, um Männlichkeitsbilder. So, das ist keine Bubble, die wirklich rein männlich geprägt ist. Über die, die wir jetzt gerade gesprochen haben, das ist definitiv sehr männlich geprägt. Da geht's dann auch um, ja, da geht's um Macht, da geht's um Einfluss, da geht's um Testosteron, da geht's um schnelle Autos, da geht's im Zweifel um Frauen, um dicke Uhren. Also um alles das, was irgendwie total auf der Hand liegt. Und das Perfide dabei ist, die begeben sich auf 'ne Ebene mit dir, auf Augenhöhe, ne. Die fassen dir quasi auf die Schulter und sagen: „Hey, ich war auch in so einer Situation wie du." So, also, ne, die Identifikation mit denen, die findet dort total statt.

Und auf der anderen Seite piesacken die dich total. Ne, weil die sagen „Ey, warum gehst du noch zur Schule? Warum machst du 'ne Ausbildung? Warum gehst du arbeiten?" So. Und das sind gar nicht unbedingt Arbeitnehmerinnen nur. Das sind auch schon Schülerinnen und Schüler. Also ich kenne wirklich Videos von so Typen, die sind angeblich 15, die nennen sich Jungunternehmer und, und teilen dann ihren Erfolg bei: TikTok. Ist total weird. Und keiner stellt die Frage: Warum teilen die ihren Erfolg auf Social Media? Weil jetzt mit 'nem Schritt zurück könnte man ja eigentlich fragen: Na ja, warum behältst du denn einfach den Erfolg nicht für dich? Warum teilst du denn diese Methode? So, und wer da, wer da clever ist, der merkt natürlich relativ schnell, dass es gar nicht so sehr um diese Methode geht, weil diese Methode wahrscheinlich gar nicht existiert, sondern es geht nur darum, diese Methode sozusagen an andere weiterzuverkaufen.

00:26:27: Yasmin Interview: Mhm. Würdest du denn sagen, dass die Plattform da auch 'ne Rolle spielt in Sachen so, was verkauft wird? Also keine Ahnung, gibt's auf TikTok mehr vermeintliche Jobangebote, Dropshipping-Kurse und so weiter und auf YouTube oder Instagram mehr so Krypto-Schneeballsysteme, Trading-Coaches und so weiter. Also hast du da irgendwas beobachten können, dass die Plattform jeweils, dass sich das unterscheidet, was da angeboten wird?

00:26:50: gar nicht groß drüber reden, aber es ist halt doch eher 'ne etwas ältere, ein etwas älteres Zielpublikum. Da geht's dann eher um größere Investitionen. So, und das ist ganz witzig, ähm, wir hatten mal Videos gesehen, da wurde Friedrich Merz benutzt, so ein Deepfake. Also sein Gesicht wurde benutzt und es wurde eine angebliche Krypto-Trading-Plattform beworben. Und das ist natürlich in erster Linie für, ja, wahrscheinlich eher ein Publikum mit mehr Cash irgendwie relevant. Und es werden dann gezielt natürlich auch Personen genommen, die in dieser Altersgruppe besonders bekannt sind. Friedrich Merz ist jetzt wahrscheinlich auch in anderen Altersgruppen bekannt, aber zum Beispiel Günther Jauch oder Frank Thelen. Das sind Leute, die sind vielleicht bei jüngeren Leuten gar nicht so bekannt, aber bei mittelalten, älteren Leuten sind die schon bekannt und, ähm, bringen natürlich auch ein gewisses Vertrauen mit.

Und ich glaube, Vertrauen ist 'n ganz, ganz wichtiger Punkt an der Stelle. So. Und du wolltest ja noch mal kurz, um noch mal zurückzukommen auf deine Frage, die Unterschiede zwischen TikTok und Instagram. Also TikTok ist natürlich wesentlich schneller noch mal als Instagram. Also Instagram hat sich natürlich inzwischen auch in die Richtung von: TikTok bewegt. Also der Algorithmus hat sich da auch angepasst. Trotzdem, der Algorithmus von TikTok ist noch mal deutlich aggressiver. Der lässt sich auch aus dieser Bubble nicht so leicht raus. Und man muss tatsächlich sagen, es findet oft 'ne Brücke zwischen TikTok und Instagram statt. Das heißt, viele haben sozusagen so 'ne Erstbewerbung auf TikTok. Der Vorteil bei TikTok ist, du kannst halt ohne große Reichweite relativ schnell große Sichtbarkeit erreichen. Also das ist halt einfach nicht so Community-Follower-basiert wie bei Instagram. Das ist sozusagen die Chance von TikTok. Und viele sagen dann aber im Erstkontakt so: „Ja, ähm, schreib mir mal bei Insta, dann schick ich dir 'n Link." Du kannst nämlich zum Beispiel, glaub ich, bei TikTok keine Links teilen, die anklickbar sind. So. Das ist 'n bisschen als, also die Plattformen werden halt so 'n bisschen, ja, verschiedenlich genutzt an der Stelle.

00:28:41: Yasmin Interview: Okay. Mhm. Aber das Angebot an sich sozusagen ist überall gleich schlecht, könnte man

00:28:46: Marian Kulig: sagen. Nein, nee, also nee, nee, nee.

Also ich wollt jetzt nicht das gesamte Finfluencing-Angebot auf TikTok und Instagram verteufeln. Absolut nicht. Wir reden jetzt ja nur über 'ne ganz bestimmte Art von Content. Es gibt ja auch durchaus seriösen Content bei Instagram und TikTok, der auch sehr, sehr gut: ist, ähm, aber da muss man natürlich über gewisse Kriterien sprechen.

00:29:03: Yasmin Interview: Genau und darauf, äh, deswegen hab ich diese ganz freche Überleitung gemacht, möcht ich nämlich jetzt zu sprechen kommen. Was unterscheidet denn so 'n guten Finfluencer von 'nem bad Finfluencer, würdest du sagen?

00:29:13: Marian Kulig: Es gibt natürlich so 'n paar Kennzeichen, die, das sind wirklich absolute Basics, aber die kann man wirklich rauf und runter deklinieren. Und das ist natürlich zum einen Transparenz. So, macht derjenige transparent erst mal, welche Qualifikation er hat. Das heißt, warum spricht er über Geld? So, was ist sein Hintergrund? Und dann natürlich auch, wie verdient er Geld? Das ist ja so 'n bisschen die Schlüsselfrage. Denn wir alle müssen von irgendwas leben und die wenigsten machen Finanzbildung, weil sie den Auftrag verspüren, Finanzbildung machen zu wollen. Die Kasse muss irgendwie gefüllt werden. Das heißt, es gibt im Grunde, ja, es gibt eigentlich fast keine Institution, jetzt mal unabhängig von der Verbraucherzentrale, die natürlich non-profit arbeitet, so absolut unabhängig ist, die keine monetären Eigeninteressen hat. Und natürlich auch Angebote, die wirklich gute Finanzbildung machen, die müssen halt irgendwie Geld verdienen.

Das heißt, sobald wir irgendwie über Wirtschaftsunternehmen, über Anbieter sprechen,: müssen die halt irgendwie Geld verdienen. So, und das ist erst mal kein Problem, solange sie die Werbung kennzeichnen. Das heißt, wenn jetzt zum Beispiel irgendein Neobroker empfohlen wird, dann muss klar gemacht werden, diese Empfehlung basiert auf einer Werbepartnerschaft. So, wenn das nicht gemacht wird, dann ist das 'n Verstoß gegen die Werbekennzeichnungspflicht. So, und das ist natürlich für viele gar nicht so leicht zu erkennen, ne. Weil wenn man jemandem vertraut und der sagt dann so: "Ja, ähm, hier, ähm, ich empfehl dir jetzt mal Neobroker XY", dann wird gar nicht groß hinterfragt, warum empfiehlt der das? Sondern man vertraut der Person, lädt sich das runter, aber fragt sich gar nicht, ist das vielleicht, ist der vielleicht gar nicht so gut? Nutzt die Person vielleicht privat 'n anderen Neobroker und empfiehlt mir den nur, weil's 'ne Werbepartnerschaft ist? Diese Frage stellen halt viele nicht.

00:30:40: Yasmin Interview: Mhm. Und du sprichst es ja auch schon an, die Staffel hier heißt auch „Parasozial“, und die Frage ist so 'n bisschen, die ich mir stelle: Können so parasoziale Beziehungen zu Influencern, Finfluencern oder eben so Galionsfiguren 'ne Rolle spielen, dass da auch wirklich emotionaler Druck aufgebaut wird, denkst du?

Also keine Ahnung, dass man eben diesen Kurs bucht, dass: man in ein Schneeballsystem gerät. Würdest du sagen, dass das da irgendwie 'ne Rolle spielen kann?

00:31:04: Marian Kulig: Ja, definitiv. Also wie ich anfangs schon sagte: Diese Leute, über die wir sprechen, die haben Marketing wirklich durchgespielt. Also die wissen, wie man mit Träumen und Sehnsüchten, wie man mit Gefühlen spielt. Das Perfide ist, die, hm, begeben sich auf eine Ebene mit dir, dass du denen vertraust. Also es wirkt alles sehr, sehr brüderlich, das wirkt alles super gut gemeint und das wirkt ja auch alles total plausibel. Und relativ schnell entsteht dann irgendwie so das Gefühl, man kennt die Person, obwohl die Person ja-- Es ist ja ein reines Broadcasting. Du sitzt vor deinem Handy und guckst dir an, was die Person dir zu sagen hat. Also es ist ja kein Austausch in beide Richtungen, sondern du empfängst ja eigentlich die ganze Zeit nur. Und, ähm, gerade so dieses Narrativ: „Du kannst so happy werden wie ich, so erfolgreich werden wie ich", das verfängt einfach.

Also ja, solche, solche Beziehungen sind einfach ein Punkt. Und man muss natürlich auch sagen, je mehr Reichweite du hast, desto mehr Verantwortung hast du natürlich auch, ne. Da gibt es ein ganz schönes Spider-Man-Zitat. Das will ich an der Stelle jetzt nicht nennen, weil ich glaube, viele: kennen es, aber eben mit großer Macht geht auch große Verantwortung einher.

00:32:05: Yasmin Interview: War das Spider-Man?

00:32:06: Marian Kulig: Das war,

00:32:07: Yasmin Interview: ich hab's gestern noch mal geguckt. Weißt du was? Ich hatte jetzt irgendwie so Ludwig den v-, , das ist ja witzig. Ich hätte jetzt gesagt, das hat so Ludwig der 14. oder so gesagt. Aber gut, das ist, äh, im Grunde genommen dasselbe. Okay, also gut zu wissen, das kann tatsächlich 'ne Rolle spielen. Deswegen ist es auch so wichtig, sich selber wahrscheinlich noch mal zu checken als Follower. So: „Hey, wie stehe ich da eigentlich zu? Wie scrolle ich durch die Timelines und bin ich da wirklich noch irgendwie souverän oder gerate ich da in emotionale Abhängigkeiten?"

00:32:30: Marian Kulig: Der Punkt ist wirklich die Bewusstmachung.

00:32:32: Yasmin Interview: Ja.

00:32:32: Marian Kulig: So, und das ist auch das Ziel von unserem Projekt. Wir wollen, dass unsere Community, unsere Followerinnen und Follower in der Lage sind, gute Finanzentscheidungen zu treffen und immer einen Schritt zurückzutreten. Das heißt, vor jeder Entscheidung einfach kurz zu fragen: „Hey, Moment, warum empfiehlt die Person mir das gerade?Was steckt da vielleicht hinter?"

Das ist eigentlich so im Kern das, was wir wollen. Und ich glaube, dass gerade das der Kern von, von guter Finanzbildung ist. Und ich kann das jetzt an der Stelle noch mal ein bisschen öffnen. Es: ist ja nicht nur Finanzbildung. Das ist ja 'ne gewisse Form von Methodenkompetenz. Und ob das jetzt ein Finanzmythos ist, den man dann vielleicht nicht aufsitzt oder ob das 'ne politische Lüge ist. So, ich will das Fass jetzt nicht, nicht unbedingt aufmachen, aber ich will es zumindest mal anschneiden. Wer in der Lage ist, solche Narrative zu durchschauen, der, ja, der kann sich selbst ganz gut schützen und der trägt auch zu 'ner starken Demokratie bei.

00:33:21: Yasmin Interview: Das stimmt und der trägt das vielleicht auch weiter an Bekannte. Ich find nur so spannend auch, dass ihr eben genau auf diesen Kanälen unterwegs seid und deswegen find ich das tatsächlich auch sehr wichtig, weil natürlich ist es noch mal was anderes, ein anderes Publikum, was eben jetzt vielleicht auf die Website der Verbraucherzentrale geht und oder wie du auch gerade gesagt hast, durch den doch eher, ja, zufälligen Algorithmus, der ist natürlich nicht zufällig, aber den etwas geöffneteren Algorithmus von TikTok und da eben auf so 'n Video stößt und ihr sprecht, wie du auch gerade gesagt hast, ja auch verschiedene Sachen an, ne.

Sei es jetzt zum Beispiel was, wo du mir tatsächlich auch geholfen hast, mit Inkasso. Also was heißt das eigentlich, wenn du 'n Brief von der Inkasso bekommst? Heißt das, dass du sofort dich ausziehen: musst und alles aus deiner Wohnung verkaufen musst? Spoiler: Nein, heißt es nicht. Ich hoffe, ich komm nie in die Lage, aber ich hab tatsächlich so diese Art von Angst vor diesem Inkassobegriff gehabt und das, äh, sind ja auch Sachen, die ihr aufklärt, also du und Laura. Deswegen vielen, vielen Dank dafür. Letzte Frage: Was bekommt ihr denn so für Rückmeldungen aus der Community? Also ich sehe ja auch, ne, du hast ja auch gesagt, du gehst so 'n bisschen investigativ vor. Manchmal schreibst du sogar selber so Scammern, glaube ich. Oder kannst du da mal ganz kurz erzählen, wie du da vorgehst und was für Rückmeldungen ihr auch vielleicht bekommt aus der Community?

00:34:32: Marian Kulig: Ja, das mache ich natürlich, aber das mache ich natürlich nicht unter meinem Klarnamen. Das ist ganz klar. Das mache ich natürlich mit einer anderen Identität, so um einfach ein Gefühl dafür zu bekommen, weil das Problem ist, was man auf TikTok oder auf anderen Social-Media-Plattformen sieht, das kratzt ja nur an der Oberfläche.

Die eigentliche Abzocke, die findet ja eigentlich erst im Privaten statt. Und das macht es natürlich auch für, ähm, für die Regulierung, für Strafverfolgungsbehörden total schwer, weil der Betrug beispielsweise, ähm, bei Telegram stattfindet, im eins-zu-eins-Chat, in der WhatsApp-Gruppe, in den DMs bei: Instagram oder bei TikTok. Und da muss man mal reinkommen, so. Und ich bin dann immer bis zu einem gewissen Punkt gegangen, den man halt gehen kann. Spätestens dann, wenn irgendwie so ein Punkt kommt: „Ja, lass mal einen Call ausmachen mit unserem Geschäftsführer", oder so, war ich natürlich raus an der Stelle, aber es ist einfach super interessant, da mal einzutauchen und ich würde das tatsächlich, wenn ich mehr Zeit hätte und wenn wir natürlich auch mehr Kapazität hätten – wir sind ein relativ kleines Projekt – dann würden wir natürlich auch da viel, viel tiefer reingehen in diese Netzwerke und die einfach mal, ja, auch ein Stück weit hochnehmen, muss man sagen. Weil es gibt wirklich konkrete Netzwerke, das ist echt schlimm, die vor allem auch besonders junge Menschen, ja, vereinnahmen wollen und die sozusagen zwingen, ihre Eltern zu überreden, denen quasi Geld zu geben, damit die solche Kurse abschließen. Also echt, das ist echt eine üble Geschichte, ja.

00:35:42: Yasmin Interview: Mhm. Deswegen, wie gesagt, ist das so wichtig, dass ihr da auch sitzt und auch wirklich in dieser, ich sag's jetzt mal, Ästhetik auch Videos und Aufklärungsarbeit macht. Ich meine jetzt damit wirklich dieses, man hat 'ne Handykamera, die, dieses kleine Mikro. Ich liebe das halt, ne. Also man ist halt sofort drin, man hat 'nen Hook und nur so kann man aber auch diese jungen Menschen, glaube ich, bekommen.

00:35:59: also man muss das Ganze natürlich auch noch mal ein bisschen öffnen, weil, ähm, nicht jeder Jugendliche, nicht jeder junge Mensch möchte, äh, selbstständig werden. So, das ist auch nur eine Nische. Also unsere Zielgruppe ist natürlich auch sehr heterogen, sehr breit gefächert, insbesondere bei, gerade du hast es angesprochen, bei so Finanzbegriffen, die irgendwie jeder kennt, aber niemand erklären kann, wie zum Beispiel Inkasso oder Dispo oder so oder Schufa. So, da haben wir sehr positive Rückmeldungen aus der Community bekommen, weil wir dann einfach wirklich so low-level-mäßig einfach mal kurz erklären, was das ist. Da muss man nicht für googeln, da muss man nicht für die KI fragen, sondern man sieht es kurz in seinem Feed, das ist snackable. „Ah ja, das heißt der Begriff.Cool, interessant. Dann weiß ich Bescheid." So, das ist also auch unser Ansatz. Also auch ganz klassische Finanzbildung an der Stelle.

00:36:40: Yasmin Mod: *schreibt* Finanzbildung, snackable, Faktencheck Finanzen. So, und das ist doch ein guter Ausblick. Das ist die Insel im Meer sozusagen. Schön, dass es solche Projekte gibt. Schaut da gern vorbei. Ich hab den Account natürlich in den Show Notes verlinkt

00:37:00: Bei so viel Grusel brauchen wir jetzt natürlich die guten Nachrichten. Wir haben jetzt auch sehr viel über Influencer gesprochen. In der nächsten Folge spreche ich mit einem Influencer, einem Goodfluencer, wie ich ihn nenne, denn es gibt viele gute, transparente Creator, die auf einiges verzichten, um fürs große Ganze zu stehen. Mit genau so jemandem spreche ich. Er nimmt uns Backstage in eine Branche, in die man sonst keinen Einblick hat, auf der so'n fest verschraubter Glasdeckel sitzt und bei der man öfter mal auf die Inhaltsstoffe gucken muss. Dazu hören wir alles in der nächsten Folge von „Para, Sozial.“ Bis dahin bitte die dunklen Ecken und Gassen und Timelines meiden. Bis dahin!

00:37:53: wir natürlich offen für Themenwünsche und Gedanken. Entweder per Kommentar unter die Podcast-Folge oder auf allen anderen Kanälen. „dürfen die das?“ ist ein Podcast der Verbraucherzentrale Berlin, gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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